Verlegung von acht neuen „Stolpersteinen“ durch die gleichnamige AG des Gardelegener Gymnasiums am 12. Juni

Familien Hesse, Rieß und Sonnenfeldt

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18 von 20 Mitgliedern der AG „Stolpersteine“ fanden sich vor kurzem in ihrem eigenen Raum im Gardelegener Gymnasium zu weiteren Absprachen zusammen.

Gardelegen. Es gibt bereits 33 Stolpersteine in der Hansestadt, die an die Gardelegener jüdischen Familien erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. In diesem Jahr kommen acht weitere dazu.

Verantwortlich dafür zeichnet die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Stolpersteine“ am Gardelegener Geschwister-Scholl-Gymnasium, die im Februar 2013 von damals sieben Neuntklässlern unter Leitung der Geschichtslehrerin Andrea Müller ins Leben gerufen wurde. Diese Schüler haben mittlerweile ihr Abitur schon längst in der Tasche, studieren oder machen eine Ausbildung. Die AG aber gibt es weiterhin. Und in ihr machen derzeit 20 Schüler von der achten bis zur zwölften Klasse mit. Es wurden verschiedene Gruppen gebildet, um die Arbeit, wie beispielsweise die Forschungsaufträge zu den verschiedenen Familien, aufzuteilen. Sie treffen sich regelmäßig freitags nach der vierten Stunde und auch donnerstags in der großen Pause, wenn viele Dinge besprochen werden müssen. Gerade jetzt, in Vorbereitung der neuen Verlegung, die der Künstler und Initiator des Stolperstein-Projektes Gunter Demnig immer persönlich vornimmt, gibt es viel zu tun – auch wenn sie große Unterstützung von der Stadt und engagierten Bürgern erfahren. Sie findet am Dienstag, 12. Juni, statt und beginnt um 13 Uhr mit der Verlegung von drei Stolpersteinen für Julius Hesse und seiner Frau Zerline, geborene Rosenfeld, sowie ihrem Sohn Robert Hesse an der Hopfenstraße. Ihr zweiter Sohn Hans konnte schon 1939 mit seiner Frau Charlotte und den Kindern Frank und Peter nach Amerika ausreisen und so dem Holocaust entkommen. Ein vierter Stolperstein wird für Lina Rieß, eine Verwandte der Familie Hesse, verlegt.

Im Anschluss geht es weiter an die Sandstraße, um vier Stolpersteine für Familie Sonnenfeldt – Mutter Gertrud und Vater Walter, ein Arzt-Ehepaar, sowie die beiden Söhne Richard und Helmut – zu verlegen, deren ehemaliges Haus seit 2008 auch schon eine Gedenktafel, gestiftet von der damaligen CDU-Stadtratsfraktion und dem CDU-Landtagsabgeordneten Uwe Harms, schmückt. Die Söhne emigrierten bereits als Kinder in die USA. Richard Sonnenfeldt war während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse 1946 nicht nur der jüngste, sondern auch der wichtigste aller Dolmetscher und war führend an der Vorbereitung der ersten Mondexpedition amerikanischer Astronauten sowie an der Einführung des Farbfernsehens beteiligt. Helmut Sonnenfeldt avancierte in den Siebzigerjahren zum einflussreichen Berater mehrerer US-amerikanischer Präsidenten.

Die Familie der Sonnenfeldts hat bereits reges Interesse bekundet und wird mit mehreren Familienmitgliedern bei der Verlegung dabei sein. Einen Stein für die Familie spendiert der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Gnodtke, der die AG-Mitglieder im Rahmen ihrer „Stolperstein“-Fahrt nach Berlin mit dem Besuch des Holocaust-Denkmals auch in den Bundestag eingeladen hat.

Um die Verlegung auf sichere finanzielle Füße zu stellen, bittet die AG um Spenden. Wer sich beteiligen möchte, kann seinen Obolus auf das Konto des Fördervereins des Gymnasiums unter dem Kennwort „Stolpersteine“, IBAN: DE89810555553030003310, BIC: NOLADE21SAW, einzahlen. Vom Förderverein werden Spendenbescheinigungen ausgestellt.

Von Elke Weisbach

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