Falsche Störche erobern Neuendorf

Neuendorf am Damm. Es ist ein tierischer Ort. Im Dorf gibt es einen großen Kuhbestand, Pferde, reichlich Federvieh und kaum einen Hof ohne Hunde und Katzen. Und seit vielen Jahren klappern im Frühjahr auf dem alten A-Mast neben dem Transformatoren-Häuschen am Ortsausgang in Richtung Kalbe die Störche. Die beliebten Klapperschnäbel erlebten nun ihr blaues Wunder.

Familie Storch, die inzwischen rund um die Uhr mit der Nahrungssuche für den Nachwuchs beschäftigt ist, hat im Dorf überraschend Konkurrenz bekommen. Direkt in der Einflugschneise haben sich doch vor wenigen Tagen zwei freche Eindringlinge breit gemacht. Mehr noch: Die unbekannten Weißstörche begegnen den nervösen Blicken der über sie hinweg ziehenden Altstörche mit fast schon unheimlicher Ruhe und Gelassenheit. Die kommt indes nicht von ungefähr. Schließlich entpuppt sich das schmucke Storchenpaar auf dem Schornstein an der Dorfstraße 12 als täuschend echt aussehende Fälschung. Erst auf den zweiten Blick geben die unnahbaren Kunststoffgesellen ihr Geheimnis preis. Seine Existenz hat das zweite Neuendorfer Storchenpaar Heinz Brennecke zu verdanken. Der 61-Jährige ist ein ausgesprochener Tier- und Vogelfreund. „Es ist einfach schön“, freut sich Brennecke beim Anblick der Tiere. Zwar gibt es auf dem Hof nicht mehr wie früher Kühe, Schweine und Gänse, dafür aber immer Kaninchen und Meerschweinchen. Neben den Katzen und Haushund Billy bevölkern zudem mehr als 20 Sittigarten in großen Volieren sowie zahlreiche Gartenzwerge und Tierattrappen den Hof.

Nur für den Plaste-Storch, den Heinz Brennecke vor einigen Jahren im Baumarkt kaufte, wollte sich kein rechter Platz finden. Bis nun die Familie ihre alte Heizungsanlage auf Erdgasbetrieb umstellte – und der alte Schornstein nicht mehr gebraucht wurde. Schon war die Idee geboren. Aus Weidenzweigen baute Heinz Brennecke ein Nest, in dem die frisch schwarz-weiß gestrichene Storchendame ihren Sitzplatz bekam. An ihre Seite platzierte der Hausherr schließlich noch – direkt vom Baumarkt auf den Schornstein einen Partner. Den Rest erledigten ein paar Dübel, Schrauben und handwerkliches Geschick. Nun thront das neue Neuendorfer Storchenpaar unbeweglich auf seinem Horst an der Dorfstraße und trotzt sogar Sturm und Regen.

Überschaubar ist am neuesten Horst der Altmark die Arbeit der Vienauer Storchenschutzgruppe. Das Ergebnis der alljährlichen Brutpaar-Zählung steht zumindest an der Neuendorfer Dorfstraße schon fest.

Von Dirk Osmers

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