Rund 100 Biker holten sich in Gardelegen den göttlichen Segen für die Zweiradsaison

„Du fährst nie allein. Amen.“

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Mit 22 Jahren war Patrick Ziep (Mitte) auf seiner Yamaha FZ8 der jüngste Fahrer. Kerstin Möller und Maik Kleinau kamen jeweils auf einer Suzuki Intruder.

wb Gardelegen. Wenn harte Jungs und Mädels zum Gottesdienst gehen, haben sie manchmal eine Lederkluft an und ihr Bike ganz in der Nähe.

Heiko Kreutzfeldt und Sohn Leon aus Ackendorf kamen mit der größten Maschine, der Triumph Rocket III.

Rund 100 Fans der schweren Motorräder hatten sich am Sonnabendvormittag auf dem Gelände des Gardelegener Schäferhundevereins eingefunden, um sich den Segen für ihre erste Ausfahrt in dieser Saison geben zu lassen. Die Gardelegener Motorradfreunde waren dabei, und auch die Rainmakers.

Ingolf Arndt aus Gardelegen kam auf seiner Schwalbe Baujahr 1979.

Sie kamen auf Motorrädern, Mopeds und Trikes. Unter ihnen Estedts ehemaliger Gemeindepädagoge Lutz Brillinger. Auch sein Trike, ein Scherer, stand zwischen den anderen Maschinen. Extra aus Magdeburg war er angereist, denn er kennt sich aus mit dieser besonderen Art des Gottesdienstes. Im Estedter Fahrgarten hatte er oft mit den Bikern zusammen gebetet. Beruflich hatte es Brillinger im vergangenen Jahr in die Landeshauptstadt verschlagen. Doch die Gardelegener Biker wollten auf die geliebte Tradition nicht verzichten und luden ihn ein, auch diesmal bei ihrer ersten Ausfahrt dabei zu sein und zuvor den Gottesdienst mit ihnen zu feiern. Brillinger traf mit seiner Predigt und der Musik abermals den weichen Kern der harten Jungs. Als Triker weiß er schließlich selbst, welchen Blickwinkel die Motorradfans haben. Dass sie zum Beispiel ein Gewitter am liebsten im Rückspiegel sehen, „dass man den Zündschlüssel immer erst dann aus der Hosentasche holt, wenn man schon die Handschuhe angezogen hatte, und immer dann pinkeln muss, wenn man die Regenkombi geschlossen hat“. Und auch, dass die Wahrscheinlichkeit „dass das Bike umfällt“ proportional mit der Anzahl der Zuschauer und dem Ego des Besitzers steigt, weiß Brillinger genau. Man sah ihm an, dass er an einer solchen Art von Predigt selbst Spaß hat. Und auch „die Gemeinde“, grinste fröhlich zu seinen Worten. Aber auch die ernsten Themen sprach Brillinger an. Er erinnerte daran, dass der Schutzengel bei Tempo 200 möglicherweise nicht mehr mitkommt. Und er erinnerte an die, „die die dunkle Seite des Motorradfahrens kennen und überlebt haben“.

Andächtig lauschten am Sonnabend die Biker und Triker dem Gottesdienst.

Mit der Musik, die er ausgesucht hatte, traf Brillinger auch diesmal wieder den Nerv der Biker. Songs wie „Satisfaction“ von den Rolling Stones und „Little By Little“ von Oasis sang so mancher leise mit. Und auch das Ende des gemeinsamen Gebetes „Du fährst nie allein. Amen.“ gefiel den Leuten in der Lederkluft gut. Mit Gottes Segen machte sich der eindrucksvolle Konvoi schließlich auf den Weg. Die Tour ging über Hemstedt und Kassieck in Richtung Bismark und schließlich über Lindstedt und Jävenitz zurück zum Domizil der Hundesportler, wo dann noch eine zünftige Bratwurst und auch ein Bierchen - für die Fahrer natürlich alkoholfrei - auf alle warteten.

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