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Ermordeter KZ-Häftling Joseph Broussot wird in Gedenkbuch aufgenommen

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Von: Ina Tschakyrow

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Gedenkbuch beim Ehrenfriedhof Gardelegen
Joseph Broussot wurde in das Gedenkbuch am Gräberfeld der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe aufgenommen. © Ina Tschakyrow

Ein weiteres bisher anonymes Grab auf dem Ehrenfriedhof der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen konnte einem Namen zugeordnet werden: Joseph Broussot wurde ins Gedenkbuch aufgenommen.

Gardelegen – Einer der KZ-Häftlinge, der beim Massaker in der Feldscheune Isenschnibbe am 13. April 1945 ermordet wurde, war Joseph Broussot. Er wurde am Mittwoch offiziell in das Gedenkbuch beim Ehrenfriedhof der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe aufgenommen.

Mit Unterstützung von französischen Historikerinnen und Historikern und Mitgliedern von Angehörigenverbänden aus Frankreich, konnte im Frühjahr des vergangenen Jahres die Identität des Toten, der in Feld A, Reihe III, Grab Nummer 64 bestattet wurde, bestätigt werden, informierte Gedenkstätten-Mitarbeiter Lukkas Busche. Möglich wurde das durch neu entdeckte persönliche Dokumente und Berichte von zwei überlebenden KZ-Häftlingen aus Frankreich. Nach dem Krieg wurde laut Lukkas Busche die Häftlingsnummer von Joseph Broussot nicht eindeutig überliefert.

Der Gedenkstätten-Mitarbeiter informierte über das Leben von Joseph Broussot. Er wurde am 19. Juni 1902 in Paris geboren. Joseph Broussot begann 1926 für die französische Eisenbahngesellschaft zu arbeiten. Im April 1942 wurde er für seine Teilnahme an einer Demonstration festgenommen und zu zwei Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung blieb er für die französische Résistance aktiv. Joseph Broussot wurde anonym verraten, wodurch wahrscheinlich seine Widerstandsaktivität enttarnt wurde und er am 30. August 1943 wieder festgenommen wurde. „Nach seiner Inhaftierung im Gefängnis von Fresnes, wurde er in das Sammellager von Compiègne verlegt, von wo aus er schließlich Ende Oktober ins KZ Buchenwald deportiert wurde. Bei seiner Aufnahme in das Lager wurde Joseph Broussot zu der Nummer 31041“, sagte Lukkas Busche.

Joseph Broussot wurde am 3. Januar 1944 in das Buchenwalder Außenlager „Dora“ verlegt. Dort musste er beim Bau der Helmetalbahn Zwangsarbeit leisten. Am 6. April 1945 befahl die SS die Räumung der Konzentrationslager im Harz und trieb Joseph Broussot zusammen mit seinen Kameraden auf einen langen Fußmarsch bis nach Wernigerode, fuhr der Gedenkstätten-Mitarbeiter fort. „Vom dortigen Bahnhof brachte ihn ein Zugtransport bis nach Letzlingen. Es war der 11. April 1945. Bei einem Luftangriff auf die Gleisanlagen in Letzlingen ergriff Joseph Broussot, gemeinsam mit einer großen Anzahl weiterer KZ-Häftlinge die Chance zur Flucht. Die verbliebenen Wachmannschaften machten, unterstützt von Einheiten des örtlichen Volkssturms, Jagd auf die Flüchtigen“, erzählte Lukkas Busche. Joseph Broussot wurde wieder aufgegriffen, nach Gardelegen gebracht und am 13. April 1945 beim Massaker in der Isenschnibber Feldscheune ermordet. Er wurde 42 Jahre alt.

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