Helfried Schmelzer: „Ich kenne da keine Skrupel“

Erbauer des Gardelegen-Modells ist empört über Leihgabe

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Helfried Schmelzer baute vor gut einem Jahr sein Gardelegen-Miniaturmodell in der Kapelle St. Georg auf. Dass die Stadt dieses nun dauerhaft nutzen darf, ärgert ihn: „Das ist hinter meinem Rücken geschehen.“

Gardelegen – Helfried Schmelzer ist empört. „Das ist eine Frechheit“, erregt er sich. Der Erbauer des Gardelegener Stadtmodells, das seit mehr als einem Jahr in der Kapelle St. Georg an der Wand hängt und dort auch besichtigt werden kann, reagiert damit auf Äußerungen von Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig, die Stadt habe das Modell als Dauer-Leihgabe erhalten.

Und zwar von der Stadt Lützen im Süden Sachsen-Anhalts. An diese Kommune hatte Schmelzer – was er bestätigt – ein anderes Objekt veräußert.

Nämlich die Nachstellung der Schlacht von Lützen aus dem Dreißigjährigen Krieg (wir berichteten). Quasi als Beigabe habe Lützen dann auch das Gardelegen-Modell erworben – und es nun der Stadt Gardelegen kostenlos zur Verfügung gestellt, so dass das Modell dauerhaft dort stehen bleiben kann, wo es derzeit ist: In der Kapelle St. Georg.

„Ich habe mit der Stadt Lützen nie einen Vertrag über das Gardelegen-Modell unterschrieben“, behauptet Schmelzer. Er selbst hätte folglich der Ansprechpartner sein müssen. Dass solche Verhandlungen mit Gardelegen eher nichts gebracht hätten, lässt er durchblicken: „Ich werde das Modell nicht aus der Hand geben.“ Vor mehreren Jahren wollte Schmelzer das fertige Modell, das Gardelegen im Jahr 1670 darstellt, an die Kommune verkaufen – für 30 000 Euro. Doch der Gardelegener Stadtrat lehnte das Angebot damals als viel zu teuer ab.

Dass das Modell nun „hinter meinem Rücken“ doch an Gardelegen übertragen wurde, sei „eine Unverschämtheit“, ereifert sich Helfried Schmelzer im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Er werde dagegen gerichtlich vorgehen, „da habe ich keine Skrupel“.

Einem solchen möglichen Gerichtstermin sieht Lützens Bürgermeister Uwe Weiß „äußerst gelassen entgegen“, wie er gestern gegenüber der Altmark-Zeitung erklärte. Es gebe sehr wohl einen schriftlichen Vertrag auch über das Gardelegen-Modell, „den beide Seiten unterschrieben haben“ – also auch Helfried Schmelzer. Der habe ihm das Gardelegen-Modell sogar aktiv angeboten, erinnert sich Uwe Weiß. Ihm sei es aber vor allem um die Schlachtfiguren von Lützen gegangen. Woraufhin er als neuer Besitzer des Gardelegen-Modells dann im Gardelegener Rathaus angerufen habe. Das Ergebnis ist nun diese Dauer-Leihgabe.

Auch Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig sieht den Zorn Schmelzers gelassen. „Wir als Stadt sind ja gar nicht sein Ansprechpartner“, sagt sie. Juristisch müsste sich Schmelzer stattdessen mit der Stadt Lützen auseinandersetzen. Was Lützens Bürgermeister ebenfalls „äußerst entspannt“ sieht, wie er betont.

Auch Schmelzers Ankündigung, das von ihm erschaffene Gardelegen-Modell „eher kurz und klein zu schlagen“, als dass die Stadt Gardelegen es nutzen dürfe, sieht Uwe Weiß eher ruhig entgegen: „Meines Wissens ist der Raum bei Ihnen in der Kapelle abgeschlossen.“

Was stimmt.

VON STEFAN SCHMIDT

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