Stadtgraben bleibt in diesem Jahr wohl schwanenfrei

An Gardelegens Stadtgraben: Entenhausen im Miniformat

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Entenhausen im Kleinformat: Insgesamt neun Küken hat die Entenmama am Gardelegener Stadtgraben unter ihrer Obhut – tags zuvor war es noch ein Tier mehr.

Gardelegen. Von weitem sieht es so aus, als bewegen sich winzige schwarze Punkte auf dem Rasen am Gardelegener Stadtgraben. Bei näherer Betrachtung stellt sich heraus: Eine watschelnde Enten-Großfamilie hat es sich auf dem Wall bequem gemacht.

Die Entenmutter bewacht ihren schnatternden Nachwuchs – und der ist nicht zu knapp ausgefallen. Neun kleine Küken picken auf der Rasenfläche, wackeln noch etwas unsicher auf dem Untergrund und kuscheln sich immer mal wieder an Mama heran. In der Nacht zu gestern muss eines der Tiere gestorben sein. Denn am Montagabend bewachte die Entenmama noch deren zehn Nachkommen.

Die Folge der tierischen Aufzuchtstation: Passanten bleiben stehen, Radfahrer halten an und erfreuen sich am Anblick von Mini-Entenhausen.

Die Aufzucht der Entenkinder vollzieht sich in diesem Jahr wohl etwas entspannter als noch vor Jahresfrist. Denn damals lebte eine Schwanenfamilie auf dem Stadtgraben –und der Schwanenpapa griff nicht nur Menschen, sondern auch andere Tiere und deren Nachwuchs an. „Er hat nur seine Brut verteidigt“, erinnert sich Gardelegens „Schwanenmutter“ Ingeborg Köhn an Cäsar, wie sie den tapferen Papa nannte. Denn Cäsar war ab dem vergangenen Juni alleinerziehender Vater: Die Schwanenmutter starb an einer bakteriellen Infektion, ab Ende Juni musste der Vater seine damals sieben Zöglinge – am Ende überlebten sechs – alleine großziehen. „Das ist ihm aber hervorragend gelungen“, erinnert sich Ingeborg Köhn, die sich damals täglich um die Schwäne kümmerte. „Er hat ihnen alles beigebracht.“ Bald waren die Jungen flügge – und im Herbst flogen Vater Schwan und seine Kinder vondannen. Bis heute hat sich kein neues Schwanenpaar auf dem Gardelegener Stadtgraben eingenistet. „Ich gehe davon aus“, so Ingeborg Köhn, „dass es in diesem Jahr keine Schwäne auf dem Stadtgraben geben wird.“ Denn sie müssten eigentlich schon längst brüten.

Von Stefan Schmidt

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