Einrichtung muss Schulkooperation aussetzen, weil Kreis Finanzierung kürzt / Freizeitangebot soll aber erweitert werden

„Einschlag“ im Schullandheim

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Die Tore des Gardelegener Schullandheims bleiben geöffnet. Nach der Kürzung von Mitteln durch den Landkreis wird die Einrichtung aber alle Schulprojekte bis auf weiteres aussetzen müssen.

Gardelegen. Es ist eine schlechte Nachricht für die Schulen der Region: Das Gardelegener Schullandheim wird bis auf weiteres alle Kooperationsprojekte mit den Schulen in und um Gardelegen aussetzen müssen.

Grund für diesen Schritt ist der Beschluss des dem Landkreis unterstellten Jugendamtes, die für die schulischen Projekte benötigten Mittel nicht länger zur Verfügung zu stellen.

Als Vertragspartner des VHS-Bildungswerkes, seinerseits Träger des Schullandheims, betrachte der Kreis die außerschulischen Bildungsmaßnahmen in den Vormittagsstunden nicht als Teil seines Aufgabenbereiches, erklärte Dagmar Rusch, Leiterin des Aus- und Weiterbildungszentrums des Bildungswerkes, am Dienstag vor dem Gardelegener Sozialausschuss.

Ulrich Mußbach, Leiter des Jugendamtes in Salzwedel, habe bei einem Gespräch im Juni vergangenen Jahres erklärt, dass die Betreuung von Schülern innerhalb der Schulzeit Aufgabe der Schulen und damit Sache des Landes sei. Mußbach bestätigte diese Darstellung gestern auf Nachfrage. Im Jugendamt habe man beschlossen, die Ausgaben für die Kooperation mit den Schulen zu kürzen, so der Leiter des Amtes. Bei dem Gespräch in Salzwedel habe man aber auch über alternative Finanzierungsmöglichkeiten gesprochen.

Eine davon wäre die Beantragung von Fördermitteln beim Land. Nach dem Gespräch mit Mußbach habe sie sich deshalb gemeinsam mit Heidi Adolph, der Leiterin des Schullandheimes, an das Kultusministerium gewandt und bei einem Termin in Magdeburg zunächst auch Ermutigendes gehört, berichtete Dagmar Rusch. Man solle doch für die geplanten Kooperationen Projektanträge stellen, habe es dort geheißen.

So weit so gut. Doch nach der vielversprechenden ersten Auskunft sei aus Magdeburg nichts mehr gekommen, erklärten Rusch und Adolph einmütig. Für Nachfragen habe der Kollege nicht zur Verfügung gestanden, auf Anrufe und Anschreiben habe man schlicht keine Antwort mehr bekommen. Zuletzt sei nun schließlich die Zurückweisung von 15 der beantragten 16 Projekte erfolgt. „Zu viele Projektanträge“, war die Begründung, berichtete Heidi Adolph gestern. Einzig das Projekt „Kreislauf des Wassers“ habe derzeit noch Chancen auf eine Bewilligung. „Bis zum April rechnen wir mit einem Bescheid“, so die Leiterin des Schullandheimes gestern. Da die Aussicht auf Bewilligung des einen verbliebenen Projektes aber vage ist und die Finanzierung damit auch nur für das laufende Kalenderjahr gesichert wäre, baten Rusch und Adolph vor dem Sozialausschuss um Unterstützung ihrer Einrichtung durch die Stadt.

15 000 Euro – entsprechend einer Halbtagsstelle – wären erforderlich, um die Kooperationsangebote wie bisher aufrecht erhalten zu können, so Dagmar Rusch. Viele Ausschussmitglieder signalisierten zunächst auch, dieser Bitte nachkommen zu wollen. So sagte etwa Andreas Brendtner: „Das Schullandheim gehört zu Gardelegen.“ Es wäre traurig, wenn nachfolgende Generationen es nicht mehr in Anspruch nehmen könnten.

Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs hätte allerdings Bauchschmerzen bei dieser Art der Unterstützung. „Wir an der Basis sollen Geld locker machen, das nicht da ist, nur weil andere sich aus der Verantwortung herausziehen“, so Fuchs. Hier werde etwas einfach von oben nach unten durchgereicht. „Das ist mir zu billig“, betonte der Bürgermeister. Einigen konnten sich die Ausschussmitglieder schließlich darauf, das Schullandheim als Verhandlungspartner bei den Gesprächen mit Land und Landkreis zu unterstützen. Die Mitarbeiter des Schullandheims wollen außerdem verstärkt private Sponsoren mit ins Boot holen.

Welche Bedeutung das Schullandheim für die Region hat, machte Dagmar Rusch am Dienstag auch an Zahlen deutlich: Insgesamt 101 Projekte mit 2312 Schülern aller Schulformen habe man im vergangenen Jahr durchgeführt, 1859 davon seien aus Schulen im Raum Gardelegen gekommen. „Wenn das wegfällt, wäre das ein Einschlag“, so die Wertung von Heidi Adolph. Am 30. Januar sollen die Schulen nun noch einmal offiziell über den vorläufigen Wegfall der Kooperationen informiert werden. Die Freizeitangebote des Schullandheimes sind indes nicht von der Kürzung betroffen. „Hier planen wir, unser Angebot sogar zu erweitern“, informierte Heidi Adolph gestern.

Von Alexander Walter

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