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Besucherzentrum: Bewusst zurückhaltend

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Von: Stefan Schmidt

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Menschen  vor Gebäude
Der Architekt erläuterte den Neubau © Stefan Schmidt

Architekt Bruno Vennes gab Einblicke in Details des Besucherzentum-Neubaus.

Gardelegen – Die Wände sind 71 Zentimeter dick. „Aus Leichtbeton“, wie Bruno Vennes berichtete. Der Architekt hat für das Berliner Architekturbüro BHBVT das Besucher- und Dokumentationszentrum auf dem Gelände der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe entworfen. Und berichtete am Sonntagnachmittag im Rahmen einer Führung aus Anlass des „Tages der Architektur“ über die Besonderheiten des rund vier Millionen Euro teuren Neubaus, der Ende 2019 fertiggestellt wurde, aber pandemiebedingt erst knapp ein Jahr später, im September 2020, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff offiziell eröffnet werden konnte.

Die dicken Wände sind eines der herausragenden Merkmale des monolithisch angelegten Neubaus, wie Bruno Vennes erläuterte. Sie sorgen für eine annähernd gleichbleibende und auch bei hochsommerlich-warmem Wetter – wie am Sonntag – für eine angenehm kühle Innentemperatur. Optisch sei der Bau bewusst zurückhaltend errichtet worden. Denn im Mittelpunkt sollen die Geschehnisse vom 13. April 1945, als in der in Sichtweite zum Besucherzentrum gelegenen Feldscheune 1016 KZ-Häftlinge von den Nazis ermordet wurden, stehen – ebenso wie das Gräberfeld für die Getöteten. Das Besucherzentrum, so der Architekt, sei bewusst im Eingangsbereich errichtet worden, „um dem Gräberfeld nicht zu sehr auf die Pelle zu rücken“.

Der Neubau selbst besteht aus mehreren Panoramafenstern – die allesamt nicht geöffnet werden können. So gab es auch im Corona-Lockdown nicht die Möglichkeit zum Lüften. Das sei auch richtig so, betonte der Architekt, „es gibt kein einziges Museum, bei dem man die Fenster öffnen kann“. Auf diese Weise sei eine konstante Raumtemperatur für die wertvollen Exponate garantiert. Offene Fenster könnten zudem ein Sicherheitsrisiko sein. Und: Der Kostenrahmen hätte eingehalten werden müssen – zu öffnende Fenster wären deutlich teurer geworden. Aktuell sind die Fenster im Besucherzentrum dreifach-verglast und mit Sonnenschutz ausgestattet.

Gedenkstättenleiter Andreas Froese, der den Rundgang begleitete, ergänzte, dass es von Vorteil gewesen sei, dass die Dauerausstellung im Besucherzentrum in einem Neubau, der vorher noch nicht vorhanden war, eingerichtet werden konnte. Folglich habe man vieles beim Bau absprechen können, das habe auch „prima geklappt“. Richte man hingegen eine Dauerausstellung in einem bereits vorhandenen Gebäude ein, müsse man sich viel mehr an die bereits vorhandene Architektur richten.

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