Eine „elende Zeit, derer sich viele nicht erinnern wollen“

Kinder und Jugendliche des Kirchspiels Calvörde hatten das Verkündigungsspiel seit Oktober einstudiert. Nachdem sie es am Heiligabend in Calvörde aufgeführt hatten, verkündeten sie die Botschaft von der Menschwerdung Gottes in Jeseritz.

lam Jeseritz. Das hat schon eine lange Tradition. Am Vorabend zum Dreikönigstag wird in der Jeseritzer Kirche noch einmal das Verkündigungsspiel von den Kindern und Jugendlichen des Kirchspiels Calvörde, zu dem auch Jeseritz gehört, aufgeführt.

Und in diesem Jahr sei es, wie Pfarrer Andreas Knauf zu Beginn erklärte, ein ganz Besonderes. Es handele sich um das „Heiligenhafener Sternsingerspiel“, das mit wenig Gags und wenig Requisite auskomme, dafür aber, seiner Meinung nach, die größte Aussage aller ihm bekannten Stücke beinhalte. Und diese wollte er, so Knauf, den Jeseritzern auch als Vermächtnis mitgeben. Denn im August geht er in den Ruhestand.

1945 wurde das Stück von Fritz Grasshoff geschrieben, einem in Quedlinburg geborenen Zeichner, Maler und Schriftsteller, der nach dem Krieg in Heiligenhafen interniert war. In der Kleinstadt in Schleswig-Holstein, auf der östlichen Spitze der Halbinsel Wagrien an der Ostsee gelegen, wo auch zahlreiche Flüchtlinge gestrandet waren, die in Barackenlagern einer ungewissen Zukunft entgegen sahen. Für sie schrieb Grass-hoff das Stück, um ihnen mit der guten Nachricht, der Botschaft der Menschwerdung Gottes durch die Geburt Jesus Christus, Hoffnung zu geben. Gefangene und Flüchtlinge spielten es im Lager unter der Leitung von Mathias Wiemann, einem Schauspieler, in Scheunen und Sälen vom ersten Advent 1945 bis zum Heiligen Dreikönigstag 1946, insgesamt 48-mal.

Davor und vor den Menschen, die damals dort im Ungewissen ausgeharrt haben, so Knauf, ziehe er den Hut. Denn es war eine „elende Zeit, derer sich viele nicht erinnern wollen“. Das verstehe er. Dennoch sei die Erinnerung wichtig, damit so etwas nie wieder geschehe. Und das Stück soll heute wie damals Mut machen. Es gibt immer einen Funken Hoffnung, irgendwann leichter mit der Last des Lebens durchs Leben zu gehen.

Hut ab auch vor den Leistungen der jungen Leute, die die Botschaft ins Jeseritzer Gotteshaus brachten. Denn für die Inszenierung um die Sternsinger und Heiligen Drei Könige Tim Röscher aus Jeseritz, Gerard Schulz aus Wieglitz und Matthias Höfer aus Calvörde musste viel Text gelernt werden. Weitere Hauptrollen hatten Carolin Wolf aus Calvörde als Maria, Philipp Franke aus Elsebeck als Josef, Lisa Herrmann aus Zobbenitz und Sarah Fischer aus Calvörde als Engel sowie Paul Heitmann aus Jeseritz, Tammy Misar aus Wieglitz und Nicole Bösche aus Calvörde als Hirten. Leon Röscher aus Jeseritz begeisterte zudem mit seinem Geigenspiel. Eine tolle Leistung.

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