Enrico Günther und Georgi Futschedshiew lenken Oldtimer-Flugzeuge

„Ein ganz anderes Fluggefühl“

Georgi Futschedshiew im Cockpit der Antonov AN 2. Der größte Doppeldecker der Welt stammt aus dem Jahr 1969.
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Georgi Futschedshiew im Cockpit der Antonov AN 2. Der größte Doppeldecker der Welt stammt aus dem Jahr 1969.

Gardelegen – „Allein dieses Geräusch. . . “ Enrico Günthers Augen strahlen, während er daran denkt. Das aufheulende Motorengeräusch beim Anlassen der Antonov AN 2. Des größten Doppeldeckers weltweit. Baujahr 1969.

Eben diese Antonov war der Star beim Flugplatzfest am vergangenen Wochenende, organisiert vom Gardelegener Fliegerklub.

Enrico Günther und sein Vereinskollege Georgi Futschedshiew flogen am Sonnabend und Sonntag immer wieder über Gardelegen und die nähere Region. Mit der Antonov und einem weiteren historischen Agrarflugzeug. Wer das nötige Kleingeld dabei hatte, der durfte mitfliegen.

Genau mit solchen Flugtagen finanzieren sich diese Maschinen. Sie gehören dem Aeroclub Ballenstedt. Allein die jährlichen Fixkosten für die Antonov liegen nach Futschedshiews Angaben bei 10 000 bis 15 000 Euro – dazu kommt dann noch der Treibstoff. Finanziert wird dieses nicht ganz billige Hobby durch eben solche Rundflüge, für die die Mitfliegenden Geld bezahlen. „Aber in diesem Jahr“, erzählt Enrico Günther, „ist alles anders.“

Denn noch vor Saisonbeginn – Flugplatzschauen wie die in Gardelegen finden vom Frühjahr bis zum Spätsommer statt – kam Corona. Und damit die Absage sämtlicher solcher Veranstaltungen, zu denen Georgi Futschedshiew und Enrico Günther mit ihren altehrwürdigen Maschinen fliegen. „Wir hatten bisher gar nicht die Gelegenheit, mit Besuchern in die Luft zu gehen“, blickt Futschedshiew zurück. Damit fehlte auch eine wichtige Einnahmequelle für den Verein, um die Maschinen zu unterhalten. Das Flugplatzfest in Gardelegen war die erste Veranstaltung dieser Art in Sachsen-Anhalt nach dem Corona-Lockdown – und wird wohl auch, so befürchten die beiden Piloten, die einzige bleiben. Denn die eigentliche Saison geht schon allmählich zu Ende.

Enrico Günther ist hauptberuflich Lufthansa-Pilot, lenkt eine Boeing 747 auf Langstreckenflügen also auf andere Kontinente. Auch die Zahl der Langstreckenflüge ist in diesem Jahr eingebrochen, liegt nur noch bei zehn bis 15 Prozent des Vorjahresniveaus.

Und was ist der größte Unterschied zwischen einer hochmodernen Boeing und einer mehr als 50 Jahre alten, aber immer noch flugtauglichen Antonov – neben dem satten Motorengeräusch des Oldtimers? „Die Technik“, sagt Enrico Günther. In der Antonov sei vieles noch im wörtlichen Sinne Hand-Arbeit. „Bei einer Boeing muss ich beim Start vieles machen und bei der Landung.“ In der Luft selbst in bis zu 12 000 Metern Höhe – die Antonov schafft es bis auf 3500 Meter – müsse der Pilot selbst gar nicht viel tun, müsse nur die Daten überprüfen. In einer Antonov müsse man während des Fluges viel mehr selber aktiv sein. „Es ist ein ganz anderes Fliegen“, sagt Enrico Günther. „Und auch ein ganz anderes Fluggefühl.“ VON STEFAN SCHMIDT

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