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Von Luthäne aus drei Kilometer durch den Wald

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Von: Stefan Schmidt

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Mann mit Mülltonne im Wald.
Die Müllentsorgung in Luthäne ist ein Problem. © Stefan Schmidt

Klaus-Peter Kretschmer lebt mitten im Wald in Luthäne und hat Probleme mit der Müllentsorgung.

Luthäne – Die nächste befestigte Straße ist 3,2 Kilometer entfernt. Der Weg dorthin führt mitten durch den Wald, teilweise über Stock und Stein. Für Klaus-Peter Kretschmer ist dies kein Problem: „Ich lebe gerne hier in Luthäne“, sagt der 64-jährige ehemalige selbstständige Landwirt. Er hat sich vor rund 20 Jahren den ehemaligen Forsthof im nur drei Grundstücke zählenden Luthäne nördlich von Hottendorf „damals ganz bewusst als Alterssitz ausgesucht“, wie er erzählt. Das bedeutet für ihn, auch auf gewisse Annehmlichkeiten zu verzichten. Es gibt eben keine befestigten Wege, keine Straßenlampen. Und die Wege zu Supermarkt, Bäcker und Zeitungsladen sind auch beschwerlich und weit.

Was Kretschmer aber stört, ist die derzeitige Lage rund um die Müllentsorgung. Denn seit Jahresbeginn holt die kreiseigene Deponie GmbH seine Restmüll- und Papiertonne vor Ort nicht mehr ab, wie er erzählt – obwohl genügend Platz wäre, beispielsweise für ein Wendemanöver. Vorher lief die Entsorgung Kretschmers Angaben zufolge so ab: „Ich habe bei der Deponie angerufen und dann ist ein Müllfahrzeug hergekommen.“ Wobei er betont, dass er längst nicht jeden Abfuhrtermin nutzt. „Mir ist klar, dass nicht jedes Mal das Müllauto kommen muss, um eine nur halb gefüllte Papiertonne zu leeren.“

Doch aktuell ist es so, dass Klaus-Peter Kretschmer seine Restmüll- und Papiertonne bis an die B 188 am Abzweig Hottendorf bringen soll. Die „Entsorgungsfirmen sind aufgrund von berufsgenossenschaftlichen Regelungen nicht mehr befugt, die direkte Abfuhr von den Wohngrundstücken in dem Wald zu gewährleisten“, schreibt dazu Birgit Eurich von der Pressestelle des Altmarkkreises Salzwedel auf Anfrage der Altmark-Zeitung. Und weiter: „Die Rechtsprechung geht durchaus von der Zumutbarkeit bei vergleichbar gelegenen Grundstücken aus, die überlassenen Behälter an der nächsten öffentlichen Straße zur Entsorgung bereitzustellen.“

Mit anderen Worten: Der 64-Jährige muss Restmüll- und Papiertonne irgendwie selbst die mehr als drei Kilometer schleppen – quer durch Wald. Das sei „unzumutbar“, habe er dem Kreis in einem Telefonat mitgeteilt. Zumal er dieselbe Höhe an Müllgebühren bezahle wie jeder andere Einwohner im Kreis auch, dessen Tonne aber direkt vor der Hustür entleert werde. Der Kreis deutet aber eine Lösung an und sei „bestrebt, ... eine einvernehmliche individuelle Lösung zu finden“.

Klaus-Peter Kretschmer hat noch ein weiteres Müllproblem, nämlich die Gelben Säcke. Die werden seit fast anderthalb Jahren von einer Privatfirma aus Farsleben im Bördekreis abgeholt. Aber seitdem auch nicht mehr vor Ort, sondern von der Ablagestelle am Rande der B 188 am Abzweig Uchtspringe. Doch dort, am Waldrand, „werden die Gelben Säcke regelmäßig zerfleddert“, schildert der Luthäner die Situation. Wildtiere wie Fuchs und Marder würden die Gelben Säcke auseinanderfleddern. Er lege die Gelben Säcke, erzählt Kretschmer, am Abend vor der Abholung dort ab. Bevor sie dann tatsächlich von der Firma eingesammelt werden, bemächtigen sich die Tiere des Inhalts.

Das sieht die Entsorgungsfirma komplett anders. Die neue Regelung „funktioniert problemlos“, sagt dazu der zuständige Mitarbeiter Norman Mattke.

Die Bilder vor Ort vermitteln hingegen einen anderen Eindruck.

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