Sehr unterhaltsamer und informativer Wallrundgang mit Alt-Bürgermeister Julius Beck und Kräuterfee

„Ehre, wem Ehre gebührt und Selbstlob auch“

Julius Beck löschte seinen Durst, um die Stimme für seine Ausführungen zu ölen.

lüc Gardelegen. Bei strahlendem Sonnenschein trafen sich viele Interessierte im Salzwedeler Tor und erfrischten sich bei Eistee aus dem Rosengarten. Mit dem leckeren Getränk gestärkt gingen sie auf Zeitreise.

Dabei führte sie Altbürgermeister Julius Beck, dargestellt von Rupert Kaiser, persönlich.

Gestartet wurde von der Tourist-Info aus am einstigen „Groperdorfer Thor“, welches heute den Namen Salzwedeler Tor trägt und eines der Wahrzeichen der Stadt Gardelegen ist. Beck war stolz auf seine sagenhaften 42 Jahre im Bürgermeisteramt. „Das hat Adenauer in Köln nicht geschafft“, so der Mann im Anzug. Schmunzelnd fügte er hinzu: „Fuchs in Gardelegen auch nicht.“ Wobei er darauf hinwies, dass es das Wahlgesetz auch gar nicht mehr zulassen würde. In diesem Jahr wird Beck 160 Jahre alt. Dennoch war er körperlich und geistig noch sehr fit. Recht schnell gab es den ersten Schock, als er Gardelegen als „Drecknest“ bezeichnete. Allerdings hat er dabei nur die Worte von Theodor Fontane aufgegriffen. Entlang der Stadtmauern führte damals eben noch nicht der schöne Weg und das viele Grün, sondern Schrebergärten und Grabstätten. Doch mit seinem „Verschönerungsverein“ sorgte Beck einst dafür, dass die Wallanlage ein regelrechtes Kleinod wurde.

Kräuterfee Maria Hellge wusste vieles über die Gewächse auf dem Wall zu berichten. Unter einer Birke ist es beispielsweise im Sommer kühler als unter anderen Schattenspendern.

An seiner Seite hatte er „eine Frau von heute“. Maria Hellge zeigte als Kräuterfee immer wieder, was auf dem schönen Wall alles zu finden ist und wofür die Pflanzen gut oder schädlich sind. Das meiste enthält viel Kalzium, Kalium, Vitamine und vieles mehr. Und nicht nur zum Verzehr oder als Tee ist das Grün zu gebrauchen. Beispielsweise ist die Birke, die täglich 70 Liter Wasser aus dem Boden zieht, ein regelrechter „Seifenspender“ – und bei strahlendem Sonnenschein ist es unter dem Wasserhaltigen auch frischer als bei anderen Artgenossen.

Beck konzentrierte sich auf seinen Wall und erklärte vieles zu den Skulpturen, die noch vorhanden sind. Einige fehlen, da sie zu Kriegszeit abgebaut und eingeschmolzen wurden, um Kriegsgerät herzustellen. Kleine Anekdoten gab es natürlich auch. So informierte Beck die Zuhörer darüber, dass sein Freund und Spielgeselle Otto Reutter die erste Klasse gleich viermal besucht haben soll. Er blickte neidisch zurück, da Reutter mit seinen Couplets wohl der bestbezahlte Künstler seiner Zeit in ganz Europa war. Aus seinem Gehstock schraubte der Uraltbürgermeister öfter mal ein kleines Fläschchen mit einem gesunden Waldmeistergetränk. Dazu sagte er letztlich: „Trinke nie zu viel, denn die letzte Flasche, die umfällt, könntest du selbst sein.“ Nach dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt und Selbstlob auch“ ging es heiter weiter.

Besonders interessant war die Entstehung der Spielplätze, der Freilichtbühne und des Harbig-Sportplatzes. Denn diese entstanden aufgrund einer Verordnung, dass jede Stadt einen „Kulturpark“ haben muss. In diesem Zusammenhang wurden auch gleich die Sportgrößen der Stadt in der Leichtathletik und im Volleyball genannt.

Der Alt-Bürgermeister hatte es nicht ganz mit der Zeit und die für eine Stunde geplante Führung wurde spontan um eine weitere halbe verlängert. Die interessierten Zuhörer dankten es ihm am Zielpunkt, dem Rosengarten, mit tosendem Applaus.

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