„Das ist eine ganz fiese Masche“

Ehepaar aus Gardelegen sollte reingelegt werden – und informierte die Polizei

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50.000 Euro Gewinn, am Telefon mitgeteilt: Ein Rentner-Ehepaar aus Gardelegen ist auf diese Betrugsmasche nicht hereingefallen und hat die Polizei informiert.

Gardelegen – Es war Dienstagvormittag. Da klingelte bei einem Rentner-Ehepaar aus Gardelegen das Telefon. „Eine freundliche junge Dame“, so erinnert sie der Hausherr, war am anderen Ende der Leitung.

Und verkündete dem verdutzten Mann feierlich, dass er bei einem Gewinnspiel gewonnen habe. Und zwar fast 50.000 Euro.

Auf die Einlassung des vermeintlichen Glückspilzes, er habe sich an keinem Gewinnspiel beteiligt, erklärte die Anruferin nur, dass das schon recht lange her sei und er sich wohl deshalb nicht mehr daran erinnern könne.

Doch der fast 80-Jährige hat ein gutes Gedächtnis. „Irgendwas ist da faul“, sagt er nach dem Telefonat zu seiner Frau. Zumal ihm angekündigt wurde, dass am nächsten Tag, vormittags zwischen 9 und 11 Uhr, ein Mitarbeiter und auch gleich eine Notarin – Ordnung muss schließlich sein – bei ihm an der Haustür klingeln würden und ihm direkt an der Haustür den Koffer mit den Geldscheinen übergeben würden. Er bekommt sogar die vermeintliche geheime Zahlenkombination am Telefon mitgeteilt, mit dem er dann höchstpersönlich den Geldkoffer öffnen könne – bestimmt ein erhabenes Gefühl für den Glückspilz, prophezeit die nette Anruferin.

Am nächsten Morgen wartet das Rentner-Ehepaar – der Name ist der Redaktion bekannt – auf die vermeintlichen Glücksboten. Doch die Klingel an der Haustür bleibt stumm. Stattdessen läutet erneut das Telefon. Diesmal am Apparat: ein netter junger Mann. „Er stellte sich als Heiko Ballock vor“, erinnert sich die Ehefrau. Bevor ihr Mann das Geld erhalte, müsse er noch etwas tun. Nämlich i-Tunes Karten kaufen, also Internet-Geschenkkarten. Im Wert von schlappen 900 Euro. Warum denn das, fragt der vermeintliche Gewinner. Na, entgegnet der Anrufer, er müsse doch die Personalkosten und das Spritgeld für seine Mitarbeiter irgendwie wieder reinbekommen. Dafür werde er, der Glückspilz, doch sicher Verständnis haben.

Tatsächlich macht sich der Rentner gleich darauf auf den Weg in den nächsten Supermarkt, um eine Verkäuferin von dem angeblich geplanten Masseneinkauf von Geschenkkarten zu erzählen – offenbar ist er aber nicht der erste Kunde mit solch einem Anliegen. Denn de Antwort im Supermarkt fällt eindeutig aus: Auf keinen Fall kaufen, stattdessen die Polizei einschalten. Was der Mann dann auch sofort tut.

„Die Masche war der Kripo nicht unbekannt“, sagt er. Denn der angebliche Herr Ballock hatte bereits angekündigt, dass er unbedingt die Codes der Geschenkkarten benötige, ehe dann die 50.000 Euro aber ganz bestimmt im Geldkoffer vorbeigebracht würden. Die Folge wäre: Die 900 Euro wären futsch „und den Gewinn hätte ich sowieso nie gesehen.“

Wieder Zuhause angekommen, ruft der nette Herr Ballock erneut bei dem Rentner-Ehepaar an. Ob er denn die Geschenkkarte jetzt habe und ob er die Geheimziffern mal eben durchsagen könne.

Tut er aber nicht. Stattdessen eröffnet der Rentner dem Anrufer, dass er soeben bei der Polizei gewesen sei, weil ihm die Sache nicht geheuer vorkomme. Dann hört er nur noch ein Klacken. Der nette und bis dahin gesprächige Herr Ballock legt sofort auf. Und hat seitdem auch nicht wieder angerufen.

„Das ist eine ganz fiese Masche“, erklärt der vermeintliche Gewinnspiel-Gewinner, der nie an einem Gewinnspiel teilgenommen hat. Das Ehepaar erzählt die Geschichte deshalb, „damit andere gewarnt sind und auf solche miesen Tricks nicht hereinfallen.“

VON STEFAN SCHMIDT

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