Dagmar Balser aus Bonn ist Vertretungspfarrerin in Mieste

Mit dem E-Bike auf Entdeckungstour

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Dagmar Balser aus Bonn ist für drei Wochen Vertretungspfarrerin in Mieste – und findet die Dorfkirche wunderschön.

Mieste. Zwei Drittel ihrer Zeit sind bereits vorbei. „Und ich fühle mich sehr wohl hier“, sagt Dagmar Balser. Die 62-Jährige vertritt für insgesamt drei Wochen Miestes evangelische Pfarrerin Cornelia Gerlitz, die sich derzeit in Urlaub befindet.

Die Urlaubsvertretung lebt eigentlich in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn, ist aber in Hessen aufgewachsen und war viele Jahre lang Pfarrerin in Frankfurt am Main. Über den Zehnt-Austausch hat es sie nun in die Altmark verschlagen. „Eine Region, die ich bisher nicht gekannt habe und ehrlich gesagt auch gar nicht wusste, wo sie liegt“, gibt sie zu.

Die Evangelische Kirche sorgt über dieses Projekt dafür, dass Pfarrer vor allem in ländlichen Regionen, die ihren Jahresurlaub machen wollen („Auch Pfarrer brauchen mal Urlaub“, so Dagmar Balser), eine Vertretung erhalten. Und zwar von Berufskollegen, die sich mittlerweile im Ruhestand befinden und bereit sind, den zehnten Teil ihres Jahres – deswegen Zehnt-Projekt – woanders zu verbringen. Unentgeltlich, dafür aber auch mietfrei – eventuelle Wohnkosten übernimmt die Kirchengemeinde vor Ort.

Dagmar Balser hat bereits Gottesdienste abgehalten, mehrere Kirchen der Region kennengelernt und am Sonntag sogar ein Kind getauft. Das Dienst-Handy der eigentlichen Pfarrerin hat sie für die Zeit ihres Aufenthaltes übernommen, ist also jederzeit erreichbar.

Der größte Unterschied zu Pfarrstellen wie in Frankfurt am Main, also einer Großstadt? „Es sind die Entfernungen“, sag Dagmar Balser. Mehrere Dörfer zu betreuen, „das ist richtig viel Arbeit“. Das sei in einer Großstadt mit oft nur einem Anlaufpunkt anders. „Hier brauche ich ja ein Navi, um irgendwo hinzukommen.“ Der Kontakt zu den Menschen in Mieste und Umgebung falle ihr leicht, sagt sie. „Ich habe noch nie Probleme gehabt mit Menschen zu kommunizieren.“ Sie hat auch ihr E-Bike mit dabei. Aber: „Die Wege im Drömling“, sagt die Vertretungspfarrerin, die in der Kolonie Hopfenhorst wohnt, „sind für E-Bikes nicht wirklich geschaffen.“ Dafür habe sie Tangermünde besucht, „eine wirklich wunderschöne Stadt.“ Und über ihren Aufenthalt in der Altmark generell sagt sie: „Ich habe hier gewissermaßen die Kür: Ich übernehme viele Aufgaben einer Pfarrerin, habe aber mit Behördensachen und anderem Schreibkram nichts tun.“

Was ihr als in Westdeutschland Aufgewachsene aufgefallen ist: „Die DDR-Zeit ist bei vielen hier noch gegenwärtig,“ sie höre oft Geschichten, wie es damals war. Das finde sie rund drei Jahrzehnte nach der Wende „bemerkenswert, das hätte ich so nicht vermutet.“

Der nächste Aufenthalt als Pfarrerin im Ruhestand steht auch schon fest: Demnächst geht es auf eine Pfarrstelle nach Malta. „Für acht Monate bin ich dann dort – und freue mich auch schon sehr.“

Von Stefan Schmidt

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