Gardelegener Tourismusverein bleibt vorerst bestehen / Scharfe Kritik an Bürgermeister Fuchs

Durch die Kraft der „Wassersuppe“

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Ingolf Arndt und Harald Storz (v.l.) bleiben nach positivem Mitgliedervotum für den Fortbestand des Tourismusvereins als Stellvertreter und Vorsitzender vorläufig im Amt. Auf der nächsten Mitgliederversammlung am 21. Februar wird sich das Schicksal des Vereins wohl endgültig entscheiden.

Berge. Der Tourismusverein Region Gardelegen besteht weiterhin. Das ist das Ergebnis der Jahreshauptversammlung der Gardelegener Touristiker am vergangenen Freitag in Berge.

Schon aus formalen Gründen sei eine Vereinsauflösung an diesem Abend nicht möglich gewesen, sagte der Vorsitzende Harald Storz, da die dafür nötige, satzungsgemäße Zwei-Drittel-Mehrheit durch die anwesenden Mitglieder nicht gegeben war. 41 Stimmberechtigte waren anwesend, mindestens 50 hätten es sein müssen. Damit besteht der Tourismusverein zunächst weiter, die Zukunft des Vereins bleibt aber weiterhin ungewiss.

Vorstand zieht sich geschlossen zurück

Dass die Stadt Gardelegen das angestammte Domizil des Tourismusvereins, das Salzwedeler Tor, nun anderweitig nutze, wiege schwer, sei aber nicht der maßgebliche Grund für seinen Rückzug aus der Vereinsspitze, sagte Harald Storz. Ihm fehle schlicht die Kraft für die Vereinsarbeit. Auch sein Stellvertreter Ingolf Arndt nannte private Gründe dafür, nicht noch einmal für einen Vorstandsposten zu kandidieren. Gemeinsam mit dem Führungsduo stellte sich der gesamte Vorstand des Vereins nicht für eine weitere Amtszeit zur Verfügung. Mitglieder, die in die Bresche springen, fanden sich trotz Aufrufen im Vorfeld und wiederholter Appelle während der Versammlung nicht.

Damit steckt der Gardelegener Tourismusverein weiterhin in der Krise. Und einen Schuldigen hatte ein Großteil der anwesenden Mitglieder schnell gefunden: Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Einwände des Vorstandes und die nackten Zahlen, 14 Vereinsaustritte und keine Neueintritte im vergangenen Jahr und das hohe Durchschnittsalter, traten dabei in den Hintergrund.

Scharfe Kritik an Bürgermeister Fuchs

Der Verein habe es nicht verdient, so behandelt zu werden, meinte Dr. Karl-Ulrich Kleemann. „Wir haben keine andere Wahl und müssen diesen Bürgermeister ertragen, bis seine sieben Jahre um sind“, sagte Kleemann und spielte damit auf den Verlust des Salzwedeler Tores als zentrale Wirkungsstätte des Vereins an (AZ berichtete). Auch Gardelegens ehemalige Bürgermeisterin Hannelore von Baehr ließ kaum ein gutes Haar an ihrem Amtsnachfolger. „Der Bürgermeister entscheidet durch die Kraft seiner Wassersuppe“, sagte von Baehr. Der Verein habe viel für die Stadt getan. So wurden auch in 2013 verschiedene Ausstellungen organisiert oder das mittlerweile sechste Otto-Reutter-Fest auf die Beine gestellt. Um so unverständlicher ist es da für von Baehr, dass die Stadt nicht auf den Verein zugegangen ist. „Der Tourismus ist ein Standortfaktor“, machte sie deutlich. Die von der Stadt als alternative Vereinsstätten angebotenen Möglichkeiten St. Georg und im Museum kritisierte sie als unzureichend. „Wo sollen unsere Ausstellungen stattfinden?“ Im Flur des Hauses II der Stadtverwaltung sei dies allein aus versicherungstechnischen Gründen kaum möglich. „Es müsste dann immer einer von uns dabei sein“, fügte von Baehr hinzu.

Mitglieder entscheiden über Vereinszukunft

Aber wie soll es mit dem Verein weitergehen? „Durch den Verlust des Salzwedeler Tores ist der eigentliche Vereinszweck, die Organisation von Ausstellungen, nicht mehr umsetzbar“, meinte Ingolf Arndt. Auch sei die Stadt Gardelegen nicht mehr Mitglied im Verein. Damit fehle ein wesentlicher Beitragszahler. Vorschläge, wie die Gründung eines Interessenrings statt des Vereins oder die Verkleinerung des Vorstandes, der aktuell acht Mitglieder zählt, machten die Runde. Schließlich sollten die Mitglieder über den vom Vorstand eingebrachten Antrag zur Auflösung des Vereins und damit über seine Zukunft entscheiden. 31 der Anwesenden stimmten für den Fortbestand des Tourismusvereins, zehn dagegen. Damit wird sich das Schicksal des Tourismusvereins wohl auf der nächsten Mitgliederversammlung am 21. Februar entscheiden. Bis dahin bleibt der Vorstand amtierend im Amt und hofft auf zahlreiche Meldungen von Mitgliedern, die sich dann im Vorstand betätigen wollen. Einen Silberstreif am Horizont gab es am Abend dann doch noch. Nach dem positiven Votum für den Vereinsfortbestand wurden erste Wortmeldungen für ein Engagement im Vereinsvorstand laut.

Übrigens: Auf der kommenden Mitgliederversammlung würde nach Aussage von Harald Storz dann auch die einfache Mehrheit der anwesenden Mitglieder für eine Vereinsauflösung genügen.

Von Oliver Heymann

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