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Drittes Klimacamp des Biosphärenreservates Drömling in Mieste

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Von: Lea Weisbach

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Viele Kinder und zwei Männer bauen ein Boot aus Holz.
Die Junior-Ranger des Biosphärenreservates bauten ein Boot aus natürlichen Materialien. Dabei wurden sie unter anderem von Haiko Kuntze und Thomas Koch unterstützt. © Lea Weisbach

Während des Klimacamps in Mieste setzten sich die Junior-Ranger des Biosphärenreservates Drömling auf ganz unterschiedliche Weise mit den Themen Moor- und Klimaschutz sowie Regionalität auseinander.

Mieste - „Wir haben die Welt gerettet“, erklärten die Junior-Ranger des Biosphärenreservates Drömling. Elf Kinder im Alter von sieben bis elf Jahren aus Miesterhorst, Calvörde, Oebisfelde, Breitenrode, Quarnebeck und Wolfsburg wurden im Klimacamp, organisiert vom Biosphärenreservat, zu Helden der Umwelt. Seit Montag beschäftigten sich die Junior-Ranger mit den Themen Moor- und Klimaschutz sowie Regionalität – in unterschiedlicher Art und Weise. Ihre Zelte schlugen sie in Mieste beim ehemaligen Freibad auf. Sabine Wieter, im Biosphärenreservat unter anderem für die Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig, erklärte, dass es das Camp in dieser Form seit 2020 gibt. Jedoch wurde der Grundstein bereits 2003 gelegt. Zu diesem Zeitpunkt veranstaltete das Biosphärenreservat das Überlebenscamp für die Junior-Ranger, bei dem die Kinder unter freiem Himmel schliefen „ohne Handy, ohne Gameboy“, erklärte Sabine Wieter. Die Mädchen und Jungen hätten nur fünf Gegenstände mitbringen dürfen.

Das Klimacamp ist ebenso ein Inklusionscamp in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe und der Evangelischen Stiftung Neinstedt. Denn „Berührungsängste und Vorurteile sollen abgebaut werden“, sagte Sabine Wieter. Im Vorfeld verbrachten die Junior-Ranger eine Woche mit den Bewohnern der Lebenshilfe und unternahmen unterschiedliche Aktivitäten. Während des Klimacamps schliefen die Mädchen und Jungen in Zelten, auch das Essen wurde selbst vor Ort gekocht.

Unverpackte und regionale Lebensmittel

Deshalb startete die Woche mit einem Besuch im Magdeburger Unverpacktladen, wo die Junior-Ranger mit dem Zug hinfuhren – der Umwelt zuliebe, erklärten die Kinder stolz. Dort bekamen sie eine Führung und kauften Lebensmittel für die Woche ein. Auch das Gemüse, Obst und Fleisch seien aus der Region, beispielsweise aus Wegenstedt. Im Anschluss erkundeten die Mädchen und Jungen den Lebensraum Gewässer und stellten dabei die Wichtigkeit des Moores für das Klima heraus.

Am Dienstag gab es einen weiteren Höhepunkt: Es ging in die Töpferei nach Uthmöden. Dort wurden Tassen getöpfert, die derzeit noch gebrannt werden. Dabei ging es auch darum, „alte Handwerksberufe vorzustellen“, so Sabine Wieter. Nach dem Abendessen gab es eine Fledermausexkursion.

Der Mittwoch stand unter anderem im Zeichen der Biene. Haiko Kuntze, selbst auch Imker, war als Ehrenamtlicher vor Ort und errichtete mit den Kindern ein Sandarium als Nistgelegenheit für Bienen. Außerdem wurden Wildblumen gesät. Die Saatmischung sei aus der Region und an die Beschaffenheit der regionalen Böden angepasst, informierte der Ehrenamtliche. Thomas Koch, unter anderem Kunst-, Trauma- und Arbeitstherapeut, Waldpädagoge sowie Kettensägenkünstler, baute mit den Junior-Rangern ein Boot aus natürlichen Materialien. Auf dem Segel ist das Logo des Biosphärenreservates zu sehen. Heike Jaworski, die sich 2019 mit einem Kreativladen in Bülstringen selbstständig gemacht hat und auch Kinderbücher schreibt, stellte mit den Junior-Rangern Samen- und Graspapier her. Außerdem bemalten sie Milchkartons und bastelten daraus ein Beet.

Gesprächsrunde mit Minister

Am Mittwochnachmittag bekamen die Kinder Besuch vom Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Armin Willingmann, der sich den politischen, umwelttechnischen, aber auch persönlichen Fragen der Kinder stellte – und immer eine Antwort wusste. Dabei ging es unter anderem um die Abholzung des Regenwaldes, Palmöl, Müll, Containern, Elektroautos, Verkaufs- und Handelsregeln, beispielsweise warum keine krummen Gurken verkauft werden, aber auch um Krieg, Atom-, Solar- und Windkraft, Verkehrsregeln und Grundsatzfragen. „Knackige Themen gibt es hier“, fasste der Minister die Diskussionsrunde zusammen. Danach gab es Kaffee und Kuchen. Auch der Leiter des Biosphärenreservates, Fred Braumann, der Ortsbürgermeister von Mieste, Andy Neubauer, und der Referatsleiter für Biodiversität, Großschutzgebiete und Naturschutzförderung, Reinhold Sangen-Emden, gesellten sich dazu. Begleitet wurden die Kinder außerdem von Juliane Ruttkowski, Regionalmanagerin des Biosphärenreservates Drömling, den Rangern Joachim Weber und Ulf Damm sowie Chris Bösche und Alexander Ziemann.

Am Donnerstag wurden noch Hochbeete gebaut und bepflanzt sowie Stofftaschen bedruckt. Am Abend kamen die Eltern der Junior-Ranger ins Camp, um gemeinsam zu grillen. Heute wird noch der Lebensraum Wiese erkundet – danach endet das Klimacamp des Biosphärenreservates. Derzeit gibt es knapp 50 aktive Junior-Ranger in der außerschulischen Gruppe „Biber Bande“. „Wir alleine können die Welt nicht retten“, betonte Sabine Wieter. Deshalb sei es umso wichtiger, jüngere Generationen für den Klima- und Umweltschutz zu sensibilisieren.

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