1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Gardelegen

Dritter Brautkranz aus Roxförde wird von Friedrich-Wilhelm Gille dokumentiert

Erstellt:

Von: Ina Tschakyrow

Kommentare

Brautkranz
Den Brautkranz trug Meta Kühnemann bei ihrer Hochzeit am 15. Mai 1912. Sie heiratete Friedrich Lenz. © Ina Tschakyrow

Mehrere neue Brautkränze hat der Wiepker Friedrich-Wilhelm Gille zum Dokumentieren erhalten. Anhand dieser ist erkennbar, wie sich die Herstellung der Brautkränze entwickelt hat.

Wiepke – Es sei „extrem selten“, sagt Friedrich-Wilhelm Gille, dass ein Aufkleber auf der Rückseite eines Rahmens vorhanden sei. Der Wiepker dreht den Rahmen, in dem sich Brautkranz, Bräutigamstrauß und Schleier befinden, auf die Rückseite und zeigt auf den rautenförmigen Aufkleber. Laut diesem wurde die Aufbewahrung an die Erinnerungsgegenstände von der Hochzeit von Meta Kühnemann und Friedrich Lenz in Gardelegen hergestellt. Das Paar heiratete am 15. Mai 1912. „Das ist bereits der dritte Brautkranz aus Roxförde“, erzählt Friedrich-Wilhelm Gille, der diesen von einer Frau aus Wedringen erhalten hat. Dieser erinnert an die Hochzeit ihrer Großeltern. Der Wiepker dokumentiert und restauriert die Brautkränze, Bräutigamsträuße, Schleier sowie deren Aufbewahrungen. Der dritte Brautkranz aus Roxförde ist in „einwandfreiem Zustand“, sagt er, während er den Brautkranzkasten vor sich auf den Tisch legt.

„Bemerkenswerter Zustand“

Der Brautkranz mit Blüten hat einige vergilbte Blätter, nicht mehr alle sind grün. „Das ist kurios“, findet Friedrich-Wilhelm Gille. Seine Vermutung ist, dass die grünen Spitzen der Blätter aus eingefärbtem Wachstuch gestanzt wurden und „bei den anderen Blättern sieht es aus wie Papier“. Die Sonne könnte auf den Brautkranz geschienen haben, sodass die Blätter vergilbten. Bei denen aus Wachstuch hat die Farbe dennoch gehalten. Grün sind auch die Blätter des Bräutigamstraußes geblieben. Der Schleier, den gehäkelte Borten zieren, ist nicht vergilbt, dieser ist im Rahmen nur etwas verrutscht. Der Rahmen wurde in Preußisch-Blau gestaltet und hat mehrere Borten. Dieser ist mit goldbronzierten Blättern und Blüten verziert. Es befindet sich kein Schmutz in dem Rahmen, der Wiepker muss diesen also nicht öffnen. Beschädigungen sind nicht vorhanden. Nur die Verklebungen an der Rückseite haben sich gelöst, diese werde er wieder befestigen. „Das ist ein bemerkenswerter Zustand“, freut er sich. Offensichtlich wurden die Erinnerungen an die Hochzeit des Ehepaares gut gelagert. Friedrich-Wilhelm Gille findet es gut, dass sich die Menschen wieder mehr mit diesen besonderen Erinnerungsstücken ihrer Familien auseinandersetzen.

„Alles eine Frage des Geldes“

Er zeigt einen weiteren Brautkranz, den er von einer Frau aus der Region Osterburg erhalten hat. Dieser erinnert an eine Silberhochzeit. Der Schmuck befindet sich unter einem mundgeblasenen Sturz. Der Bräutigamstrauß fehlt. Informationen darüber, an wessen Hochzeit damit erinnert wird, sind nicht vorhanden. Das sei bei den Schmuckstücken unter einem Sturz oft so, erklärt Friedrich-Wilhelm Gille und zeigt auf die silberne Brautkrone und erläutert dazu, dass sich über die Jahrzehnte die Herstellung des Schmuckes weiter entwickelt hat. Die Erinnerungsstücke, die sich in einem Rahmen befinden, waren teuer. Später wurden viele Brautkränze maschinell hergestellt und damit günstiger. Laut seiner Dokumentation endete das Herstellen der Brautkränze etwa 1928. Damals wurde die Fotografie immer öfter genutzt. Fotos erinnerten an die Hochzeit. Die Fotografie gab es zwar zuvor schon viele Jahre, aber sie war kompliziert und teuer. „Deswegen wurden Brautkränze angefertigt“. Aber auch das war „alles eine Frage des Geldes“, so der Wiepker und zeigt einen goldenen Brautkranz mit Bräutigamstrauß. Diese hatten damals viele, das war „Massenware“.

Vermutlich auch ein weiterer goldener Brautkranz sowie Bräutigamstrauß, den Friedrich-Wilhelm Gille zeigt. Zu diesem erhielt er sogar Fotos von der Goldenen Hochzeit. Auf einem der Fotos ist erkennbar, dass die Ehefrau den goldenen Brautkranz, der aus Goldpapier gefertigt wurde, trägt. Zu beiden Erinnerungen an die goldene Hochzeit gibt es keine Informationen über die Eheleute.

Auch interessant

Kommentare