Drei Soldaten, 17 Militärgegner

Premiere in Potzehne: Internes Gespräch zwischen Bundeswehroffizieren und Campteilnehmern

+
Die Teilnehmer des diesjährigen antimilitaristischen Camps bei Potzehne – zumindest einige von ihnen – trafen sich gestern mit Offizieren der Bundeswehr.

Potzehne. Das mittlerweile vierte antimilitaristische Camp in Potzehne hat gestern mit einer Premiere aufgewartet: Erstmals haben sich Campteilnehmer mit Offizieren der Bundeswehr an einen Tisch gesetzt und miteinander gesprochen.

Und das unter der Moderatorin eines „War starts here“-Campers. „Wir haben vernünftig und sachlich miteinander geredet“, erklärte Thomas Poloczek, Pressesprecher der Bundeswehr, nach dem mehr als zweistündigen Treffen. Am Ende saßen drei Bundeswehroffiziere auf quasi neutralem Boden, nämlich im Sportlerheim des SV Grün-Weiß Potzehne, mit 17 Campteilnehmern zusammen – einige der Camper, die partout nicht mit den Offizieren diskutieren wollten, hielten vor dem Gebäude antimilitaristische Spruchbänder hoch.

Zwar „stehen wir dem Handeln der Bundeswehr als Institution unversöhnlich gegenüber“, teilt das „War starts here“-Camp in einer Presseerklärung mit. Und: Das Treffen begreife man „als eine Zusammenkunft zwischen politischen Gegnern“. Viele seien „überzeugt, dass zivile Konfliktbearbeitung effektiver als Gewalt ist“, erklärte einer der Diskussionsteilnehmer aus dem Camp, Berthold Keunecke. Andererseits: „Eine Hoffnung auf Einsicht bei der Bundeswehr für die Kritik am militärischen Handeln existiert weder bei den am Gespräch beteiligten Friedensengagierten noch bei den restlichen Campenden.“ Von denen einige „solche Gespräche ... grundsätzlich“ ablehnen.

Die Initiative zu diesem Gespräch ging von der Bundeswehr aus. Nach dem Bericht in der Altmark-Zeitung von Dienstag, wonach es eine Camp-Sprecherin „spannend“ finden würde, wenn uniformierte Soldaten ins Camp kämen und mit den Demonstranten reden wollten, gingen tags darauf tatsächlich zwei Bundeswehr-Offiziere ins Camp und boten ein Gespräch an. Kurz darauf einigte man sich auf Ort und Zeit. Gestern nun wurde – hinter verschlossenen Türen, aber miteinander – geredet. Thomas Polocek wertet diese gestrige Runde als einen Fortschritt.

Nach Angaben von Bundeswehr und dem Altmarkkreis Salzwedel sei die Lage im und um das Camp ruhig, es gebe keine nennenswerten Vorkommnisse.

Für den morgigen Sonnabend haben die „War starts here“-Campteilnehmer wieder einen „Aktionstag“ angekündigt.

Von Stefan Schmidt

Der komplette Artikel steht heute in der gedruckten sowie auch in der digitalen Ausgabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare