27-Jähriger wegen besonders schweren Diebstahls angeklagt

Drei Jahre und zwei Monate Haft für Gardelegener

Am Wall in Gardelegen kam es im vergangenen Jahr zu einer Straftat.
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Am Gardelegener Wall wurde eine Seniorin überfallen. Ob dafür der Angeklagte verantwortlich ist, konnte nicht geklärt werden.
  • Ina Tschakyrow
    vonIna Tschakyrow
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Der 27-jährige Mann aus Gardelegen, der wegen mehrerer Straftaten vor dem Gardelegener Amtsgericht stand und unter anderem die Wohnung einer 85-jährigen Seniorin ausgeraubt hat, wurde am Donnerstag zu drei Jahren und zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Gardelegen – Zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten wurde der 27-jährige Angeklagte am Donnerstag vor dem Schöffengericht in Gardelegen verurteilt. Der Mann war wegen mehrerer Straftaten angeklagt (AZ berichtete), unter anderem wegen besonders schweren Diebstahls, der sich im vergangenen Sommer ereignete. Eine 85-jährige Radfahrerin stürzte auf dem Gardelegener Wall. Wie und was passiert sei und auch die Folgen können aber nicht zulasten des Angeklagten ausgelegt werden, so Richterin Monika Groschner in der Urteilsverkündung. Die Wohnung der 85-Jährigen wurde, während sie mit schweren Verletzungen in einem Magdeburger Krankenhaus behandelt wurde, vom Angeklagten nach stehlenswerten Gegenständen durchsucht. Die Richterin gehe davon aus, dass der Angeklagte die Wohnungsschlüssel erhalten hat. Dem Angeklagten war bekannt, dass in der Wohnung niemand ist. Entweder habe, so die Oberstaatsanwältin im Plädoyer, er das gewusst, weil er für den Sturz verantwortlich ist, diesen mitbekommen oder wie er es gesagt habe, von einem unbekannten Mittäter darüber informiert wurde. Der Angeklagte hatte die EC-Karte und die PIN und hob dreimal Geld ab und versuchte es mehrfach. Diese Straftaten gab der Angeklagte zu.

Für Straftat in Kalbe freigesprochen

In Salzwedel wurde er festgenommen. Dort widersetzte er sich einem Polizisten, der Zivilkleidung trug, weil der Angeklagte ihn nicht als Polizisten erkannte. Aus Sicht des Gerichtes hat sich der Polizist ausgewiesen, was aber nicht ausschließe, dass das der 27-Jährige zunächst nicht wahrnahm, aber spätestens bei seinem Fluchtversuch, so Monika Groschner. Bei einer weiteren Straftat entwendete der Angeklagte Autoschlüssel und Pkw, in dem das Diebesgut aus dem Einbruch beim Gardelegener Jugendförderungszentrum aufgefunden wurde. Dieser Einbruch sei ein einfacher Diebstahl, da nicht nachgewiesen werden kann, dass der Angeklagte die Tür zu den Räumlichkeiten aufgebrochen habe, den Diebstahl gab er allerdings zu. Einen weiteren Einbruch soll der Angeklagte in Kalbe bei einer Firma begangen haben, dort verschiedene Wertgegenstände und ein Auto gestohlen haben, aber ein „zweifelsfreier Nachweis, dass der Angeklagte die fehlenden Gegenstände an sich genommen hat“, sei nicht vorhanden, erklärte die Richterin. Es gebe auch keinen Beweis, wie der Angeklagte von Gardelegen nach Kalbe kam. Zudem gebe es nur eine Zeugin, die den Anklagten zwar in der Firma gesehen und mit ihm gesprochen haben soll, die ihn aber auf Wahllichtbildern nicht zuordnen konnte, sondern erst später, nachdem der Autodiebstahl bekannt wurde, und sie ihn bei Facebook gefunden hatte. Im gestohlenen Auto wurde ein Schreiben des 27-Jährigen gefunden, allerdings nicht von der Polizei. Es wurde dort erst später von der Halterin des gestohlenen Autos abgegeben. „Es ist unklar, wo die Frau das Schreiben her hatte“, so die Richterin. Die Verteidigerin führte in ihrem Plädoyer zudem an, dass die Zeugin nicht alles gesagt habe, aber dann, wenn sie den Angeklagten belasten konnte, übertrieben habe. Die Oberstaatsanwältin ging hingegen davon aus, dass der Angeklagte die Tat begangen hat. Er wurde von der Straftat freigesprochen und stritt diese auch ab.

Oberstaatsanwältin plädierte für vier Jahre Freiheitsstrafe

Die Eingeständnisse seien strafmildernd, erklärte die Richterin. Die Oberstaatsanwältin hatte eine vierjährige Freiheitsstrafe gefordert. Eine längere Freiheitsstrafe ist am Schöffengericht nicht möglich. Laut der Verteidigerin müssen die Taten bestraft werden, aber nur jene, die auch angeklagt sind und nicht etwa der Sturz der 85-Jährigen, den die Oberstaatsanwältin in ihrem Plädoyer aufführte.

Der 27-Jährige habe eine hohe Rückfallkriminalität, sagte die Richterin. Er war schon wegen Körperverletzung, sexuellen Missbrauchs eines Kindes und schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Die Straftaten seien „ihm bewusst“ und er sei „vollständig schuldfähig“. Die Straftaten wurden im Rahmen der Beschaffungskriminalität begangen. Der Angeklagte habe erheblich Drogen konsumiert, die aber keinen Einfluss auf die strafbaren Handlungen haben, erklärte Monika Groschner. Der Haftbefehl werde aufrecht erhalten, sodass eine Fortdauer der U-Haft angeordnet ist.

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