„Hier kann man gut Pfarrer sein“

Dorothee Gammel ist als Vertretungspfarrerin für vier Wochen in Mieste

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Pfarrerin Dorothee Gammel ist noch zwei Wochen in Mieste.

Mieste – Die Altmark kannte sie vorher nicht. „Nur vom Vorbeifahren mit dem ICE in Richtung Berlin“, lacht Dorothee Gammel, die seit zwei Wochen als Vertretungspfarrerin der Evangelischen Zehntgemeinschaft in Mieste ist.

Das ist ein Zusammenschluss von Pfarrern, die im Ruhestand sind, aber noch arbeiten möchten und deswegen einen Teil ihrer jährlichen Zeit abgeben, erklärt sie.

Die Idee findet Dorothee Gammel gut. Also hat sich die Pfarrerin bereits bei der Evangelischen Zehntgemeinschaft angemeldet, als sie noch berufstätig war. Denn so kann sie andere Gemeinden kennenlernen.

Sie hat gerne gearbeitet, erzählt die 66-Jährige. Sie ist erst seit anderthalb Jahren im Ruhestand. Dorothee Gammel war 19 Jahre lang Pfarrerin in Rietenau, ein kleiner Ort in der Nähe von Stuttgart. Zuvor hat sie die Gemeinden öfter gewechselt, dadurch viele Menschen kennengelernt. Mittlerweile wohnt sie mit ihrem Mann Dieter Knoll in Schwäbisch Hall.

Vertretungen hat sie zwar schon öfters gemacht, über die Evangelische Zehntgemeinschaft aber noch nicht und auch noch nicht für vier Wochen. So lang ist die 66-Jährige insgesamt als Vertretung in Mieste. Die Pfarrstelle in der Ortschaft ist seit April vakant. Die langjährige Pfarrerin Cornelia Gerlitz ging nach Jena. Seitdem wird der Pfarrbereich, der aus den Kirchengemeinden Mieste, Miesterhorst, Wernitz, Dannefeld und Sichau besteht, von anderen Pfarrern vertreten. Also vertritt sie sozusagen die Vertretungspfarrer, schmunzelt Dorothee Gammel.

Sie versteht nicht, warum die Pfarrstelle noch immer vakant ist. In dem Pfarrbereich und der Region sind die Menschen engagiert, findet die Vertretungspfarrerin. „Es läuft hier viel“, erklärt sie und deswegen „kann man hier gut Pfarrer sein“. Sie habe in Mieste bereits immer wieder Menschen getroffen, die sie dort schon mal gesehen hat. Daraus haben sich unterwegs spontan Gespräche ergeben, worüber sich die 66-Jährige freut.

Sie findet es in der Altmark schön. Sie ist überrascht von der Landschaft. Vor allem vom „riesigen Naturschutzgebiet“ – dem Drömling. Dort war sie schon mit dem Fahrrad unterwegs. Besucht hat die Vertretungspfarrerin Gardelegen, Tangermünde und Stendal. „Manche Bewohner wissen gar nicht, wie schön die Städte sind“, sagt Dorothee Gammel und denkt an ein Gespräch mit einer Stendalerin, die sie verwundert fragte, was sie dort mache. Ihr habe es in Stendal sehr gut gefallen.

Dort möchte sie auch nochmal mit ihrem Mann hinfahren, der in der vergangenen Woche nach Mieste kam und die restliche Zeit, die Dorothee Gammel noch Vertretungspfarrerin in Mieste ist, hier verbringt. Ansehen möchte sie sich noch Salzwedel und dort einen Baumkuchen essen.

Die Zeit dazu hat Dorothee Gammel, die in drei Chören singt und Flöte spielt. Wegen der Urlaubszeit hat sie weniger zu tun. Sie hat bisher Gottesdienste gehalten, Gemeindenachmittage veranstaltet und Trauerfeiern organisiert. Es sei schön, nicht so viele Termine zu haben und den Menschen sagen zu können, dass sie bei ihr vorbeikommen sollen, wann sie möchten. Das kenne Dorothee Gammel von zu Hause nicht. Das genieße die 66-Jährige deswegen in Mieste.

VON INA TSCHAKYROW

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