Kehrtwende beim Land: Millionenbetrag soll in den Doppel-Haushalt 2017/2018 eingestellt werden

Nun doch: Geld für Gedenkstätte Isenschnibbe

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Das Gräberfeld auf der Gedenkstätte Isenschnibbe in Gardelegen erinnert an die 1016 ermordeten KZ-Häftlinge zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Land gibt nun offenbar doch Geld für den Bau eines modernen Besucher- und Dokumentationszentrums.

Gardelegen / Magdeburg. Ganz offenbar gibt es im Land eine Kehrtwende, was die Finanzierung des neuen Besucher- und Dokumentationszentrums auf der Gedenkstätte Isenschnibbe in Gardelegen angeht.

Denn nach Informationen der Altmark-Zeitung wird das Geld nun doch in den Doppel-Haushalt der Jahre 2017 und 2018 eingestellt. Möglich gemacht wird das in der kommenden Woche, wenn der so genannte Bereinigungsausschuss des Landes zusammentritt. Dann sollen die mehr als drei Millionen Euro für die Umgestaltung der Gedenkstätte Isenschnibbe, die bereits vom Landtag während der vergangenen Legislaturperiode einstimmig in die Wege geleitet wurde, doch noch bereitgestellt werden.

Bisher gilt: Das Land hat das Geld nicht in den Doppel-haushalt – er soll im März vom Landtag beschlossen werden – eingestellt. Das hieße, dass es in wenigen Monaten zwar eine Beräumung jener Fläche geben wird, auf der das moderne Besucher- und Dokumentationszentrum entstehen soll. Das Gebäude selbst sollte aber vorerst nicht gebaut werden. Begründung: Man habe kein Geld dafür. Und das, obwohl bereits das Architekturbüro, das den Komplex gestalten wird, im Rahmen einer Jurysitzung unter Federführung des Landes ausgewählt und die Pläne in Gardelegen öffentlich präsentiert worden sind.

Das Land Sachsen-Anhalt hat nun aber Mehreinnahmen in Höhe von 350 Millionen Euro zu verzeichnen. Ein Teil dieses Geldes soll nun doch für Investitionen ausgegeben werden. Und dazu wird aller Voraussicht nach auch die Gedenkstätte Isenschnibbe gehören. Darüber hat man sich parteiübergreifend verständigt. Das bestätigten gestern mehrere Landtagsabgeordnete gegenüber der Altmark-Zeitung.

Erst am Montag hatte die Stadt – sie war bis vor zwei Jahren Trägerin der Gedenkstätte – zu einer internen Beratung an das Gräberfeld eingeladen. Drei der fünf im Landtag vertretenen Parteien waren dabei: Für die SPD Rüdiger Erben, für die Linkspartei der Kloster Neuendorfer Andreas Höppner und für die Grünen Sebastian Striegel. Zumindest diese drei Parteien, so die Information der AZ, würden im Rahmen der aktuellen Haushaltsdebatte Anträge stellen, Geld für die Gedenkstätte bereitzustellen, sollte die Landesregierung das Geld tatsächlich weiterhin versagen.

Nachdem vor mehreren Wochen durchgesickert war, dass die versprochene Investition auf jenem Gelände, auf dem am 13. April 1945 genau 1016 KZ-Häftlinge von den Nazis ermordet wurden, auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden soll, gab es sowohl von Seiten der Stadt als auch vom Gedenkstätten-Förderverein vielfältige Bemühungen, auf die Landespolitik einzuwirken. Bis hin zu Protesten aus dem Ausland – verstörte Anrufe und Briefe von Hinterbliebenen der Opfer des Feldscheunen-Massakers – reichten die Reaktionen.

Offenbar mit Erfolg.

Von Stefan Schmidt

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Zum Tod von Lucien Colonel: Letzter Überlebender des Feldscheunenmassakers.


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