Beiträge von Bürgern zum Erinnern

Digitales Gedenken: Ausstellung in Feldscheune wird aufgebaut

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Die originale US-amerikanische Hinweistafel vom April 1945 befindet sich bereits in der Gedenkstätte. Die Tafel ist Teil der Ausstellung.

Gardelegen – Am heutigen Montag sollte die Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestags des Massakers in der Isenschnibber Feldscheune bei Gardelegen stattfinden.

Die öffentliche Veranstaltung musste aufgrund der aktuellen Lage und daher wegen der Maßnahmen, um das Corona-Virus nicht weiter auszubreiten, abgesagt werden.

Heute wird um 13 Uhr, zur Uhrzeit, als das öffentliche Gedenken beginnen sollte, von den Mitarbeitern der Gedenkstätte ein Kranz niedergelegt, „stellvertretend für alle, die nicht dabei sein können“, teilt Gedenkstättenleiter Andreas Froese mit. Ein Foto wird von der Kranzniederlegung gemacht, um es an die Familien der Angehörigen zu schicken. Damit soll gezeigt werden, dass dieser Tag nicht vergessen wird, so Andreas Froese.

Alle Menschen, die an dem Gedenken teilnehmen möchten, können das trotzdem. Nur nicht vor Ort, sondern über das Internet. Unter dem Hashtag #Gardelegen45 veröffentlichen die sozialen Netzwerkseiten der Gedenkstätte auf Facebook, Twitter und Instagram tageshistorische Rückblicke auf das Geschehen vor 75 Jahren in Gardelegen. Dieser digitale Rückblick wird bis zum 75. Jahrestag der Einweihung des auf US-Anordnung angelegten Ehrenfriedhofes für die Ermordeten des Massakers am 25. April fortgeführt.

An diesem Tag wird auf der Homepage der Gedenkstätte zudem eine Rubrik freigeschaltet, teilt Andreas Froese weiter mit. Dort werden Beiträge von Menschen veröffentlicht, die sich mit dem heutigen Gedenken und Erinnern auseinandersetzen. Dafür sollen die Einwohner sich alternative Möglichkeiten des Gedenkens überlegen. „Wie soll das Gedenken heute gestaltet werden? Wie kann es dennoch stattfinden?“, erklärt Andreas Froese. Das kann ein Text sein, ein Film, oder etwas ganz Anderes. Je nachdem, was das Erinnern an das Massaker für jeden Einzelnen bedeutet und wie es umgesetzt wird. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, berichtet der Gedenkstättenleiter. Wer sein privates Gedenken mit der Öffentlichkeit teilen möchte, kann es mit einer entsprechenden Einwilligung zur Veröffentlichung an die Email info-isenschnibbe@erinnern.org schicken. Möglichst bis Dienstag, 21. April, so der Gedenkstättenleiter. Er sei schon gespannt, was die Bürger für Ideen haben.

Nach der Gedenkveranstaltung sollte heute auch die Dauerausstellung im Besucher- und Dokumentationszentrum eröffnet werden. Auch diese Veranstaltung musste abgesagt werden. Die Eröffnung soll aber später nachgeholt werden, so Andreas Froese. Die Dauerausstellung wird unter den Auflagen der Allgemeinverordnung trotzdem vorbereitet. So wird momentan der Bereich, in dem die Ausstellung zu sehen sein wird, gestaltet. Es wird dort ein Raum aufgebaut. Der sogenannte „Kino-Raum“ entsteht mitten in diesem Bereich und ist an drei Seiten geschlossen. Es werden dort originale Filmaufnahmen zu sehen sein. Es werden zudem Vitrinen aufgebaut, Möbel an Wänden und weitere im Raum aufgebaut, um die Ausstellungsstücke entsprechend zu präsentieren. An einigen der Ausstellungsstücke wird momentan noch gearbeitet. Zum Beispiel an Faksimiles, das sind mit dem Original exakt übereinstimmende Kopien. Gearbeitet wird mit Mediengestaltern an Stationen, an denen Besucher sich zum Beispiel Zeitungsinterviews anhören können. „Die Besucher sollen sich mit der Geschichte möglichst mit allen Sinnen beschäftigen“, so Andreas Froese.

Er erzählt, dass unter anderem der erste US-amerikanische Bericht nach der Entdeckung des Massakers in der Feldscheune Isenschnibbe ausgestellt wird. Präsentiert wird auch die originale US-amerikanische Hinweistafel vom April 1945. Diese befindet sich bereits in dem Besucher- und Dokumentationszentrum. Zu sehen sind zudem reproduzierte Fotografien, US-amerikanische Uniformen, Briefe, Erinnerungsberichte und der Bericht des „Life“-Magazins, das mit die ersten Fotos vom Massaker in Gardelegen veröffentlicht hatte und somit dazu beigetragen hatte, dass das Ereignis am Ende des Zweiten Weltkrieges weltweit bekannt wurde, erzählt Andreas Froese. Sobald alles im Ausstellungsraum aufgebaut wurde, werden die Ausstellungsstücke von einem professionellen Objekteinleger ausgelegt, so der Gedenkstättenleiter.

VON INA TSCHAKYROW

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