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Gardelegens Gewerbeverein vor der Auflösung

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Von: Stefan Schmidt

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Plakat an Schaufenster
Den Gewerbeverein gibt es seit 1991. © Stefan Schmidt

Gardelegens Gewerbeverein steht vor der Auflösung.

Gardelegen – Es hat sich in den vergangenen Monaten und Jahren angedeutet, seit Dienstagabend ist es offiziell: Der Gardelegener Gewerbeverein steht vor der Auflösung. Bei der Mitgliederversammlung im Gardelegener Schützenhaus stimmten alle 13 anwesenden Mitglieder für das Aus der Interessengemeinschaft. Grund ist, dass der derzeit noch amtierende Vorstand komplett nicht mehr für eine weitere Wahlperiode zur Verfügung steht. Das erläuterte Peter Jaenicke, der seit mehr als drei Jahrzehnten dem Gewerbeverein vorsteht. „Es fehlt einfach die Zeit“, erklärte er in seinem Rechenschaftsbericht. Und: Der Gewerbeverein, in dem vor allem Innenstadthändler vertreten sind, hat auch kein Geld mehr, um Veranstaltungen zu organisieren.

Doch eine Vereinsauflösung ist nicht einfach. Laut Satzung müssen drei Viertel der Mitglieder zustimmen. Und zwar im Rahmen einer Versammlung, Das bedeutet: Anwesenheit. Bei aktuell 32 Gewerbevereins-Mitgliedern hieße das: 24 Mitglieder sind nötig, um den Auflösungsvorgang überhaupt anzuschieben. Am Dienstagabend hätte man diese Zahl bei weitem nicht erreicht: Gerade mal 13 Getreue waren da. Es gibt Mitglieder, die zwar bisher ihren Beitrag gezahlt haben, aber kaum oder nie bei Versammlungen dabei waren. Genau diese Mitglieder, so betonte Vorstandsmitglied Claudia Steffens, müsse man nun mobilisieren.

Der Ursprungsgedanke des Gewerbevereins, so erinnerte sich der mittlerweile 85-jährige Peter Jaenicke, sei gewesen, „alle, die in Gardelegen ein Gewerbe haben“, mit einzubeziehen. In der Realität war der Gewerbeverein aber eher eine Interessenvertretung der Innenstadt-Einzelhändler. Und auch da machten nicht alle mit.

Ein weiterer Grund, die Geschichte des Gewerbevereins zu beenden, ist das liebe Geld. „In den ersten Jahren schwammen wir im Geld“ erklärte Jaenicke. Doch das habe sich längst geändert. Vor anderthalb Jahren gab der Gewerbeverein seine letzte stetige Einnahmequelle, die Erlöse aus dem Wochenmarkt, freiwillig an die Stadt ab, weil sich auch dies nicht mehr gelohnt habe. Und so gibt es auch keine Veranstaltungen mehr, die Besucher in die Innenstadt locken sollen – somit habe der Gardelegener Gewerbeverein nach Auffassung der Anwesenden seine Existenzberechtigung verloren. „In unserer Innenstadt“, so Vorstandsmitglied Christiane Weiß-Carle, „gibt es fast nur Zielkundschaft“, aber kaum Laufkundschaft.

Zwar äußerte sich Peter Jaenicke bedingt optimistisch: „Wir würden uns freuen, wenn es den Verein weiterhin gibt.“ Aber dazu müsse man jemanden finden, „der den Hut auf hat“ – Jaenicke und die übrigen Vorstandsmitglieder werden es jedenfalls nicht mehr sein. Und so wird es nach jetzigem Stand in wenigen Wochen eine außerordentliche Mitgliederversammlung gben, bei der dann die Auflösung des Gewerbevereins beschlossen werden soll. Ab sofort werden auch keine Beiträge mehr erhoben.

Peter Jaenicke ist zwar seit Beginn das Gesicht des Gardelegener Gewerbevereins. Er war aber nicht der erste Vorsitzende. Das war Ulrich Grau („Blumen-Grau“) – für eine Nacht. Grau übernahm bei der Gründungsversammlung im Jahr 1991 den Vorsitz, Peter Jaenicke war sein Stellvertreter. Doch am nächsten Morgen, so erinnert sich Jaenicke, habe sein langjähriger Freund und Weggefährte wegen anderer ehrenamtlicher Tätigkeiten einen Rückzieher gemacht. Seitdem ist Peter Jaenicke der Chef des Gewerbevereins.

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