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Vorwurf: „Korruption und Untätigkeit“

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Von: Stefan Schmidt

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2 Männer vor Bauzaun
Die verhinderten Backhausretter am Bauzaun. © Stefan Schmidt

Nach dem begonnenen Abriss des Back- und Bethauses in Gardelegen sind die Abrissgegner in Rage.

Gardelegen – „Das war´s dann wohl.“ Jürgen Bajerski schaut traurig durch das Absperrgitter auf das Back- und Bethaus – zumindest auf das, was am Freitagvormittag noch davon übrig ist. Nach dem am Donnerstag im Auftrag der Gardelegener Wobau begonnenen Abriss des historischen Gebäudes auf dem Innenhof des Großen Hospitals an der Philipp-Müller-Straße in der Gardelegener Innenstadt empört sich der Mann neben Bajerski, Lutz Schwarzbrunn, wie sein Mitstreiter Mitglied im erst vor wenigen Wochen gegründeten Verein „Freundeskreis des Großen Hospitals zu Gardelegen“, über den Einsatz des Abrissbaggers: „Das ist ein Skandal.“ Jahrelang hatten er und weitere Denkmalschützer als Bürgerinitiative versucht, das Aus des Back- und Bethauses zu verhindern. Sie gingen vor Gericht, schalteten den Petitionsausschuss des Landtags ein, schrieben sowohl an Ministerpräsident Reiner Haseloff als auch an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier – und erwogen bei einer Zusammenkunft im Sommer sogar den Gang vor den Europäischen Gerichtshof.

Was Schwarzbrunn im Namen des Vereins nun getan hat: Er hat Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft in Stendal gestellt, „gegen alle Beteiligten“, wie er gestern am Bauzaun erklärte. Also unter anderem gegen die Wobau, gegen die Stadt, gegen die Vereinigte Hospitalsstiftung und gegen den Landkreis. Schwarzbrunn wirft den Behörden Untätigkeit und „Korruption im niedrigen Sektor“ vor. Und weiter: „Die Verweigerung, Fakten anzuerkennen und einzelnen Tätern diese Macht zuzubilligen, macht sprachlos.“ Der Verein betrachtet „das Verfahren auch nach dem Abbruch nicht als abgeschlossen“. Man werde den Bundestag und das Bundes-Justizministerium über die Vorgänge informieren, kündigt Schwarzbrunn weiter an. Und: „Wir begleiten den Abbruch und werden die filmische Bearbeitung in den sozialen Medien veröffentlichen.“

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