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Angeklagter vor Gardelegens Schöffengericht: „Dieses Rumgeeiere hier“

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Von: Lea Weisbach

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Das Amtsgericht Gardelegen
Das Schöffengericht Gardelegen verurteilte einen 29-Jährigen zu einer Gefängnisstrafe. © Stefan Schmidt

Ein 29-Jähriger muss ins Gefängnis. Das entschied das Schöffengericht in Gardelegen.

Gardelegen – „Ich hab keinen Bock mehr“, erklärte der Angeklagte R. hitzig. Der 29-Jährige aus dem Raum Klötze stand am Donnerstag vor dem Schöffengericht des Gardelegener Amtsgerichts. Innerhalb der Anklageschrift wurden ihm drei Strafbestände vorgeworfen: gefährliche Körperverletzung sowie der tätliche Angriff auf Vollstreckungsbeamte in zwei Fällen.

Am 16. September 2021 gegen 18.15 Uhr habe der Angeklagte R. in Klötze auf den Geschädigten M., der auch als Zeuge anwesend war, eingeschlagen und eingetreten, führte die Staatsanwältin aus. Mit Schuhen trat er in Richtung des Kopfes und des Nackens von M.. Die Polizei und der Notarzt wurden gerufen. Im Anschluss wurde R. zum Polizeirevier nach Klötze gebracht, da eine Blutprobenentnahme im Altmark-Klinikum Gardelegen angeordnet wurde. Der Angeklagte war offensichtlich alkoholisiert. Noch auf dem Hof der Polizei versuchte R. zu flüchten. Dies wollte ein Polizeibeamter verhindern. Daraufhin schlug der Angeklagte in Richtung des Polizisten. Dieser konnte jedoch ausweichen.

Widerstand bei Blutprobenentnahme

Auch während der Blutprobenentnahme zeigte sich der 29-Jährige wenig kooperativ und musste aufgrund von Widerstand gefesselt werden. Eine weitere Untersuchung sei wegen Aggressivität nicht durchführbar gewesen, hieß es im Blutentnahmeprotokoll vom 16. September 2021, das Richterin Kirsten Döring-Jeske verlas. Im Klinikum versuchte sich der Angeklagte, durch Schläge zu befreien. Er betonte dabei, dass er jetzt gehe, sonst würde er alle „umhauen“. In seinem Blut wurde dann ein Alkoholwert 2,71 Promille nachgewiesen.

Zunächst erklärte der Verteidiger des Angeklagten, dass dieser an die Tat keine Erinnerung habe. Er sei alkoholisiert gewesen und habe laut eigenen Angaben auch „andere berauschende Mittel eingenommen“, berichtete der Rechtsanwalt. Der Angeklagte würde gerne aussagen, könne dies jedoch nicht.

Der Verteidiger bezog sich ebenso auf den Blutalkoholwert von R.. Innerhalb des Beweisantrages hieß es, dass davon auszugehen ist, dass nach Hochrechnungen bei der ersten Tat ein Promillewert von 3,31 und bei der zweiten von 3,11 festzustellen gewesen wäre. Demnach könne nicht davon ausgegangen werden, dass der Angeklagte zu diesen Zeitpunkten schuldfähig war. Bei der dritten Tat sei R. vermindert schuldunfähig. Die Richterin erklärte jedoch, dass das „Verfahren in voller Breite zu führen ist“. Der Verteidiger wollte neben dem Gutachten zur Schuldunfähigkeit auch ein psychoanalytisches aufgrund einer krankhaften seelischen Störung beantragen.

Plötzlicher Sinneswandel des Angeklagten

Doch nach einer kurzen Unterbrechung kam alles ganz anders: „Geben sie mir einfach ein Urteil“, verlangte der Angeklagte plötzlich. „Dieses ganze Rumgeeiere hier“ nerve ihn. Je länger die Verhandlung dauere, desto höher seien im Endeffekt die Kosten für ihn. „Des Menschen Wille ist sein Himmelreich.“ Damit zog der Verteidiger auf Wunsch des Angeklagten den Beweisantrag zurück. R. räumte alle vorgeworfenen Taten ein und „fertig ist’s“.

Auf die Aussage der fünf anwesenden Zeugen wurde verzichtet. In ihrem Plädoyer beantragte die Staatsanwältin eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren sowie Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr. Der Rechtsanwalt bat um eine angemessene Beurteilung des Angeklagten.

Freiheitsstrafe von zwei Jahren

Richterin Kirsten Döring-Jeske folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft für zwei Jahre. Es sei ein minderschwerer Fall der Körperverletzung, da der Geschädigte nur leichte Verletzungen davongetragen habe, das spätere Opfer den Angeklagten vorher nicht provoziert habe und er aufgrund der Alkoholisierung vermindert schuldunfähig war. Und auch bei Tat zwei und drei sei er vermindert schulfähig. Für den Angeklagten spräche das Eingeständnis der Taten. Dagegen, dass 15 Eintragungen – unter anderem Diebstahl, gefährliche Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz – im Bundeszentralregister vorliegen. Am Verhandlungstag stand er immer noch unter Bewährung.

Die Freiheitsstrafe wird nicht zur Bewährung ausgesetzt, da kein rechtstreues Verhalten des Angeklagten erkennbar sei, sondern „offenbar eher eine Gefährlichkeit“, erklärte die Richterin. Ebenso bestätigte sie, dass bei R. Fluchtgefahr bestehe. Unter anderem auch, weil er den Hauptverhandlungstermin schwänzte.

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