Gemeindeelternrat und Stadtelternbeirat sind für Erhalt der Grundschule Solpke – und gegen Wechsel nach Letzlingen

„Das ist ein ganz anderer Kulturkreis“

Vor wenigen Monaten feierte die Grundschule Solpke ihr 60-jähriges Bestehen. Schulleiterin Britta Hebler veranstaltete mit den Schülern eine Art Erinnerungsrallye. Ob die Schule in Solpke über den Sommer hinaus bestehen bleibt, ist mehr als unsicher.

Solpke. „Das ist aus unserer Sicht vorauseilender Gehorsam. “ Ingolf Arndt, Vertreter des Stadtelternbeirates, kann den Vorstoß der Gardelegener Stadtverwaltung nicht nachvollziehen.

Am Dienstag beschäftigt sich der städtische Sozialausschuss mit der Schließung der Grundschule Solpke. Stichtag: 1. August. Eine Entscheidung fällt der Gardelegener Stadtrat während seiner öffentlichen Sitzung am Montag, 4. Februar (19 Uhr, Gardelegener Rathaussaal). So oder so.

Denn Arndt und der Vorsitzende des Gemeindeelternrates, Andreas Löbe, sind gegen die Schließung der momentan kleinsten Grundschule in der westlichen Altmark. Dort gehen derzeit gerade mal 37 Schüler zum Unterricht.

Dennoch gebe es Argumente für den Erhalt des Grundschul-Standortes Solpke, so Ingolf Arndt. Die Schülerzahlen würden wieder ansteigen, „es gibt nur zwei wirklich schwache Jahrgänge.“ Die Talsohle sei also bald durchschritten, dann mit „deutlich über 40 Schülern“. Zumal es nach Arndts Angaben noch gar kein Gesetz gebe, sondern „nur Dinge, die irgendwann von irgendwem in Magdeburg mal gesagt worden sind.“

Andreas Löbe erinnerte an die benachbarte Sporthalle in Solpke, die bei einer Schulschließung auch auf der Kippe stehen würde. Die einstige Spielstätte der Handballer der SG Solpke / Mieste (Löbe: „Legendäre Schlachten wurden da geschlagen“) habe „eine extreme Bedeutung für Solpke“. Und: Man müsse in der Grundschule Solpke, sollte sie erhalten bleiben, eigentlich nur „kleinere Reparaturmaßnahmen“ erledigen, der Rest sei in Ordnung. Mitsamt eines „niegelnagelneuen Werkraumes“, den die Stadt im vergangenen Jahr finanziert habe.

Auch Ingolf Arndt hält die in der Verwaltungs-Beschlussvorlage genannte Investitionssumme von 250 000 Euro für deutlich übertrieben. Sein Eindruck: „Das Gebäude in Solpke hat eine grundsolide Bausubstanz.“

All diese Argumente brachten beide am Mittwochabend im Gardelegener Rathaussaal vor. Dort traf sich der städtische Sozialausschuss zu einer nichtöffentlichen Sitzung und gab dem Gemeindeelternrat der Stadt Gardelegen die Gelegenheit, seine Argumente vorzutragen.

Ein Argument hat Bürgermeister Konrad Fuchs sogleich übernommen. Nämlich dass bei einer Solpker Schulschließung die Schuleinzugsbereiche nicht sofort mit geändert werden. „Das hat noch Zeit, da drängt uns noch gar nichts“, so Ingolf Arndt. Denn die Kinder aus der Solpker Grundschule werden ohnehin auch 2013/14 in Solpke unterrichtet. Dorthin zieht nämlich für ein Jahr die benachbarte Grundschule Mieste um, weil der Standort Mieste saniert wird. Fuchs bestätigt diese Verschiebung: „Damit habe ich grundsätzlich kein Problem.“

Den Plan der Stadt, einen Teil der jetzigen Solpker Grundschüler zur Grundschule nach Letzlingen zu schicken, wenn es Solpke nicht mehr gibt, lehnt Andreas Löbe hingegen ab. Zu Letzlingen gebe es gar keine Beziehungen, so der Gemeindeelternratsvorsitzende – Löbe ist auch Schulelternratsvorsitzender der Grundschule Solpke. „Letzlingen ist für uns ein ganz anderer Kulturkreis.“ Er plädiert stattdessen dafür, die Schuleinzugsbereiche zu ändern, um den Schulstandort Solpke dauerhaft zu stärken. Sein Vorschlag: Die Kinder aus Weteritz – auf halber Strecke zwischen Gardelegen und Solpke gelegen – könnten in Solpke eingeschult werden Und nicht mehr in Gardelegen. „Mit dem Bus müssen sie in beiden Fällen ohnehin fahren“, so Löbe.

Von Stefan Schmidt

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