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Abriss des Back- und Bethauses in Gardelegen genehmigt - Entsetzen bei der Bürgerinitiative

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Von: Stefan Schmidt

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Menschen am Tisch
Die Bürgerinitiative traf sich in Gardelegen © Stefan Schmidt

Die Bürgerinitiative „Rettet das Back- und Bethaus“ will gegen den Abriss klagen.

Gardelegen – Die schlechte Nachricht kam, als die Zusammenkunft fast schon vorbei war. Thomas Kirchhoff, Mitglied der Bürgerinitiative (BI) „Rettet das Bet- und Backhaus“, erhielt einen Anruf, auf den er schon den ganzen Tag über gewartet hatte. Am anderen Ende: Die Vorsitzende des Petitionsausschusses des Magdeburger Landtags. Mit der Neuigkeit, dass das Landesverwaltungsamt für das Bet- und Backhaus an der Philipp-Müller-Straße in Gardelegen eine Abrissgenehmigung erteilt hat. Das Entsetzen sei daraufhin groß gewesen, teilt Thomas Kirchhoff, auf dessen Grundstück sich die BI-Mitstreiter am Dienstagabend trafen, mit.

Anlass dieser Zusammenkunft war eigentlich, dass die Untere Denkmalschutzbehörde des Altmarkkreises Salzwedel ihrerseits den Abriss genehmigt hatte. Wie die BI darauf reagieren sollte, darüber wollte man diskutieren – bis die Mitteilung vom Ja auch des Landesverwaltungsamtes kam.

Zuvor sparte Lutz Schwarzbrunn, Architekt und BI-Mitglied, nicht mit Kritik an den beteiligten Behörden. So hält er die von der Gardelegener Wobau als Besitzerin des Objekts berechneten Kosten für eine Sanierung des Bet- und Backhauses für völlig überzogen. Schwarzbrunns Gegenrechnung: „Das kriegt man auch für 25 Prozent.“ Und wenn: Die Wobau habe schließlich „Kohle ohne Ende“ und das Argument der Wohnungsbaugesellschaft, mit dem direkt vor dem Kleinen Hospital stehenden Bet- und Backhaus sei deren Vermietung praktisch unmöglich, hält Schwarzbrunn für „Quatsch“. Er plädierte für den Klageweg beim Verwaltungsgericht, um zumindest aufschiebende Wirkung zu erzielen. Das Ziel der BI ist nach wie vor die vollständige Erhaltung des historischen Gebäudes, das auf dem Hinterhof des Hospitals steht. Es handele sich, so die Begründung des Architekten, um ein „in Sachsen-Anhalt einzigartiges Ensemble“, das verschwinden solle. Oder, wie es BI-Mitglied und Ex-Bürgermeisterin Hannelore von Baehr ausdrückte: „In Gardelegen wird alles, was einem nicht in den Kram passt, abgerissen.“ Sie nannte als Beispiel das Trüstedtsche Haus, das einst an der Rudolf-Breitscheid-Straße stand. Man müsse, so eine der Anwesenden mit Blick auf das Backhaus, „alles versuchen, damit die nicht abreißen“.

Das Problem: Der erste Klageversuch wurde abgeschmettert, weil Lutz Schwarzbrunn als Privatperson Klage eingereicht hatte – was vom Gericht abgelehnt wurde, weil er persönlich vom Abriss des Gebäudes keine Nachteile habe. Nun sammelte die Bürgerinitiative am Dienstagabend Unterschriften all ihrer Mitstreiter, um diesmal als BI gegen die Abrissgenehmigungen juristisch vorzugehen. Dies soll nun dennoch auf den Weg gebracht werden, entschieden die Anwesenden.

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