Amtsgericht Gardelegen verurteilt Ladendieb zu Bewährungsstrafe

„Wie ein Ferien- und Erholungsheim“

Supermarkt mit Parkplatz
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In diesem Discounter ereignete sich der Ladendiebstahl.
  • Stefan Schmidt
    VonStefan Schmidt
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Gerade erst aus dem Gefängnis entlassen, musste sich ein Ladendieb vor dem Richter in Gardelegen verantworten.

Gardelegen – „Da hatten Sie aber mächtig Kohldampf.“ Richter Axel Bormann wunderte sich, als er die lange Liste vorlas. Vor ihm saß am Mittwoch auf der Anklagebank im Gardelegener Amtsgericht der 53-jährige A. Er war am 3. Juli 2020 in den Penny-Markt im Gardelegener Neubaugebiet Schlüsselkorb gegangen. Wohlwissend, dass er dort wegen Ladendiebstahls Hausverbot hatte. A. bediente sich trotzdem in den Lebensmittelregalen und wollte erneut nicht zahlen. Doch der gebürtige Salzwedeler, der momentan im Landkreis Stendal lebt, wurde erwischt. Mit Waren im Wert von 36,53 Euro. Darunter Schinkenwurst, Bockwürste XXL, Thunfisch in Öl, Knacker und Rostbratwürste.

„Aus Langeweile und Frust“

Warum er das getan habe, wollte Bormann vom Angeklagten wissen. „Ich hätte durchaus bezahlen können“, entgegnete der. Aber er habe dies „aus Langeweile und Frust“ getan. Und zitierte den ehemaligen DDR-Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker: „Der hat doch gesagt: Aus den Betrieben ist noch viel mehr rauszuholen.“ Und ehe der Richter reagieren konnte, legte der Angeklagte nach: „Wer nicht klaut, kommt zu nichts.“

A. trinkt auch gerne Alkohol, „so zwei, drei Biere am Abend und auch mal ´nen Schnaps.“ Wegen Trunkenheit am Steuer ist er schon mehrfach verurteilt worden. Ob er denn „seine Stütze“ versaufe, wollte Bormann wissen. Nicht unbedingt, erwiderte der Angeklagte. Manches Bier sei „billiger als Selterswasser“, weswegen er eben Alkohol trinke – eine Argumentation, die Bormann, so versicherte er kopfschüttelnd, in seinen vielen Jahren als Richter so noch nie gehört habe.

„Andere klauen Millionen“

A. saß erst kürzlich im Gefängnis, für sechs Monate. Ist erst seit zwei Wochen wieder raus. „Und, wie war es so im Knast?“, wollte Bormann wissen. „Oooch“, antwortete der Angeklagte, „ich kann mich nicht beklagen“. Man müsse sich nur an die Regeln halten, dann ist das „wie ein Ferien- und Erholungsheim“. Wieder schüttelte der Richter mit dem Kopf und tat dies als „flapsige Bemerkung“ ab: „Ich hoffe mal, dass das nicht wirklich ihre Meinung ist.“ Der Angeklagte habe, so sein Eindruck, „aus dem ganzen Mist nichts gelernt.“ Was möglicherweise auch folgende Aussage des Angeklagten unterstrich: „Andere“ wie FC Bayern-Manager Uli Hoeneß „klauen Millionen“ und würden nicht wirklich bestraft. Er aber sehr wohl. „Millionen klauen?“, erwiderte der Richter, „das schaffen Sie bestimmt nicht.“ „Das stimmt wohl“, so die Einsicht des Angeklagten. Dazu sei er wohl „zu blöd“.

Am Ende der Verhandlung plädierte die Staatsanwaltschaft für eine Geldstrafe von 1650 Euro (110 Tagessätze). Der Richter ging bei seinem Urteil weiter. A. erhielt von ihm eine sechsmonatige Bewährungsstrafe. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Ob er das Urteil akzeptiere oder dagegen angehen werde, wollte der Richter wissen. „Was nutzt es, dagegen anzustinken?“, antwortete der Verurteilte. Stand auf und verabschiedete sich mit einem artigen „Dankeschön“ beim Richter.

Denn in den Knast, das gab er kurz vorher zu, wolle er dann doch nicht wieder. „Muss ich nicht nochmal haben.“

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