Am bisherigen Rewe-Standort sollen bestimmte Branchen zum Schutz der Einzelhändler außen vor bleiben

Damit die Gardelegener Innenstadt geschützt wird

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Der Rewe-Markt an der OdF-Straße in Gardelegen zieht in einen Neubau unweit des Polizeikreisels um. Die Nachnutzung ist noch unklar. Die Stadt kann bestimmte Branchen, die es bereits in der Innenstadt gibt, zum Schutz der Einzelhändler ausschließen.

Gardelegen. Manch einer wunderte sich – und bekam es dann erklärt. Wenn der Rewe-Markt vom jetzigen Standort an der OdF-Straße an den Polizeikreisel umzieht und dort neu baut, dann hat die Stadt Einfluss darauf, was mit dem alten Rewe-Markt passiert.

Obwohl es sich um ein Privatgebäude handelt. Das Stichwort heißt „Innenstadtverträglichkeit“.

Mit anderen Worten: Gewisse Branchen, die es bereits im Stadtzentrum gibt, gilt es zu schützen. Dies habe, so erläuterte Gardelegens Bauamtsleiter Engelhard Behrends, das Land ganz bewusst so gewollt – nachdem in den 1990er Jahren Discounter auf der „Grünen Wiese“ massenhaft gebaut wurden und als Folge dessen viele Innenstädte in Sachsen-Anhalt verödeten. Deshalb gibt es eine Art „Rote Liste“, was alles nicht in den jetzigen Rewe-Markt darf. Dazu gehören Schreibwaren ebenso wie Elektrogeschäfte und sogar Tiernahrung.

Dagegen sträubten sich jedoch einige Mitglieder des Gardelegener Bauausschusses, der am Montagabend über dieses Thema diskutierte. Ulrich Scheffler (SPD-Fraktion) mahnte die allgemein gültige Gewerbe- und Niederlassungsfreiheit an. „Die Stadt hat nicht das Recht, ein Gewerbe abzulehnen“, lautet seine Auffassung, „sonst fangen wir wieder bei der Planwirtschaft an.“

Ähnlich sieht dies Sieghard Dutz (Linken-Fraktion). „Jetzt geht das schon wider los...“ stöhnte er und erinnerte daran, dass zu Zeiten des Edeka-Baus an der Stendaler Straße einige Stadtratsmitglieder, die damals Innenstadthändler waren, ebenfalls Branchenverbote aussprechen wollten. „Wir können ja gleich alles innenstadtrelevant machen und alle Interessenten abschrecken – mit mir aber nicht“, bekräftigte er.

Vor zehn Jahren hatte der Gardelegener Stadtrat ein Einzelhandelskonzept beschlossen und darin aufgelistet, welche Branchen es außerhalb der Innenstadt nicht geben sollte. Beispielsweise Elektrofachgeschäfte. Doch damals, so erinnerte Sieghard Dutz, habe es im Stadtzentrum noch drei Elektrogeschäfte gegeben, mittlerweile ist nur noch einer davon da.

Alexander Raksi vom Büro für Stadtplanung aus Dessau-Roßlau erläuterte ebenfalls die Gesetzeslage: Sollte die Stadt tatsächlich alle Branchen zulassen, gäbe es vom Land keine Genehmigung für den Rewe-Neubau am Polizeikreisel. Und: Das in die Jahre gekommene Einzelhandelskonzept könnte ja, so Behrends, aktualisiert werden.

Einigkeit herrschte im städtischen Bauausschuss hingegen über den geplanten Standortwechsel des Rewe-Marktes. Der wurde einstimmig befürwortet. Die Zufahrt zum neuen Rewe-Gelände, das sich östlich des Kreisverkehrs auf der jetzigen Freifläche südlich der Gifhorner Straße befinden wird, erfolgt von der Gifhorner Straße aus.

Von Stefan Schmidt

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