Jürgen Witte überreichte Konrad Fuchs Zeugnis aus der jüngeren Vergangenheit der Stadt

Chronik des Wohngebietes Süd I

Konrad Fuchs freute sich gestern, als Jürgen Witte ihm die Chronik des Wohngebietes überreichte. Beide schwelgten in Erinnerungen.

Gardelegen. Einen alten Bekannten, den er aber 20 Jahre lang aus den Augen verloren hatte, konnte gestern Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs im Rathaus begrüßen.

Dabei handelte es sich um Jürgen Witte, der zu DDR-Zeiten nicht nur technischer Leiter des Kreisbaubetriebes, sondern in den 70er und 80er Jahren auch Vorsitzender des Wohngebietsausschusses der nationalen Front Süd I in Gardelegen war. Und um dieses Wohngebiet, das den Schlüsselkorb weiträumig umfasste und von der Bahnhof- und Schillerstraße begrenzt wurde, ging es. Jürgen Witte hatte in seinem neuen Zuhause in Osterweddingen nämlich noch die Wohngebietschronik von 1975 bis 1986, die er nun Konrad Fuchs überreichte.

Vielleicht wäre sie ja auch in der Börde geblieben, wenn nicht Kamerad Zufall seine Hand im Spiel gehabt hätte, wie Konrad Fuchs erzählte, der zu DDR-Zeiten ein Kollege von Wittes Frau Helga war. Wie er berichtete, war er im vergangenen Jahr auf Einladung des Städte- und Gemeindebundes in Bad Zwischenahn im Landkreis Ammerland in Niedersachsen, als er in einiger Entfernung zwei Menschen sah, die eifrig winkten. Auf sich selbst bezog er das zunächst nicht. Doch die Winker blieben hartnäckig und machten ihm mit Zeichen verständlich, dass er gemeint war. „Ich hab die beiden nicht erkannt“, gab Fuchs zu. Umso größer war dann aber die Freude, als er wusste, wen er vor sich hatte. Wittes waren zum Radfahren im Ammerland.

Bei diesem Treffen fiel Jürgen Witte die Wohngebietschronik ein, die bei ihm schlummerte, im Archiv der Stadt Gardelegen aber viel besser ausgehoben wäre. Deshalb fragte er nach, ob er sie bringen könne, was Fuchs freudig zusagte. Gestern konnte er sie nun in Empfang nehmen.

Das Blättern in der Chronik rief zahlreiche Erinnerungen wach. Denn Fuchs war eine Zeit lang an der Dimitroff-Schule tätig, die mitten im Wohngebiet lag und auf deren Gelände immer im Mai das große Wohngebietsfest, das Highlight im Jahr, stattfand. 500 bis 1500 Bürger, so Witte, nahmen daran immer teil, was in der Chronik auch mit zahlreichen Fotos dokumentiert ist. Es gab Basare, zum Beispiel mit Keramik aus Haldensleben, deren Einnahmen der Volkssolidarität (VS) zugute kam. Es waren meist einige 100 Mark. Auch die Oberliga-Handballer vom Sportklub Magdeburg waren stets vor Ort und spielten gegen eine Wohngebietauswahl Fußball. „Sie haben jedes Mal gewonnen“, erinnerte sich Fuchs. Auch Täve Schur war einmal da.

Im Wettbewerb der Wohngebiete lag Süd I immer weit vorn, resümierte Witte. Denn die Bewohner haben mit Freude an der Gestaltung mitgearbeitet. „Ohne Zwang“, wie Witte betont. Die Grünanlagen wurden von allen gemeinsam gepflegt. Dafür gab es richtige Pflegeverträge. Außerdem wurden regelmäßig Altstoffe und Schrott gesammelt, tonnenweise. Das diente nicht nur der Ordnung und Sauberkeit, sondern brachte auch wieder Einnahmen für die VS. „Wir hatten immer Leute, die geholfen haben“, zog Witte Resümee. Und Fuchs ergänzte: „Bürgerschaftliches Engagement war damals selbstverständlich.“

Von Elke Weisbach

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