„Ein Spiel mit gezinkten Karten“

Bürgerinitiative äußert sich im Gardelegener Bauausschuss zu Brüchau

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Christfried Lenz (rechts) und Steffen Lötge berichteten im Gardelegener Bauausschuss über ihren Kampf um die Beseitigung der Bohrschlammgrube Brüchau.

Gardelegen – Die Bohrschlammgrube Brüchau liegt nicht auf Gardelegener Stadtgebiet. Aber auch nicht weit davon entfernt.

Von Zichtau aus muss man durch „Himmel und Hölle“ gehen, einer kleinen Schlucht in den Zichtauer Bergen, und landet bald am „Silbersee“ südlich von Brüchau.

Dort befindet sich nach Auffassung der Bürgeriniative „Saubere Umwelt und Energie Altmark“ umwelttechnisch ebenfalls die Hölle. Nämlich jede Menge bis heute teilweise unbekannte Schadstoffe, die verschwinden müssen. Das betonten Christfried Lenz und Steffen Lötge von der BI, die während der vergangenen Sitzung des Gardelegener Bau- und Umweltausschusses ihre Sicht der Dinge darlegen durften. Mit dem Ziel, dass sich die Stadt Gardelegen an der Kreis-Resolution beteiligt, die eine baldige und endgültige Lösung des „Silbersee“-Problems zum Inhalt hat.

Lenz blickte auf die Versäumnisse der Vergangenheit und kritisierte die zuständigen Behörden, vor allem das Landesamt für Geologie und Bergwesen: „Es wird mit gezinkten Karten gespielt.“ Man habe den Eindruck, die Behörden wollten „auf Biegen und Brechen die billigere Abdeckung durchdrücken.“ Es gehe offenbar „nicht um die beste Lösung, sondern um die billigste“, kritisierte Lenz. Die BI hingegen pocht auf eine komplette Entnahme der Schadstoffe, also eine Auskofferung. Denn das Erdreich unter dem „Silbersee“ sei undicht, betonte der BI-Sprecher.

Sowohl Lenz als auch Lötge haben die Befürchtung, dass man behördlicherseits auf Zeit spiele. „Es gibt dort möglicherweise den einen oder anderen Mitarbeiter“, so Steffen Lötge, „der lieber zuvor in Rente gehen will als eine Entscheidung zu treffen.“

Unterstützung erhielten beide im städtischen Umweltausschuss von Andreas Höppner. Der Linken-Politiker ist nicht nur Stadtratsmitglied, er sitzt auch im Landtag. Dort sei man sehr wachsam, was Brüchau angehe, betonte er. Grundsätzlich habe er den Eindruck, „dass die Altmark der Abfallhaufen der Nation ist“, erinnerte er an andere Umweltthemen wie Verpressung und Endlager. Und was die Bohrschlammgrube bei Brüchau angehe, mutmaßte Höppner: „Da ist wohl alles reingekippt worden, das volle Programm.“

Eingeladen, aber abgesagt hatte im Vorfeld der Ausschusssitzung ein Vertreter des Landesamtes. Diese Einladung solle nochmals ausgesprochen werden, erklärte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher. Dass man auch die Gegenseite anhören wolle, „das gebietet der Anstand und die Fairness.“ Gebe es aber nochmals eine Absage, dann werde der Stadtrat eben ohne eine Anhörung des Landesamtes darüber entscheiden, ob man sich der Resolution des Altmarkkreises anschließt.

Dafür spricht sich Christfried Lenz auf jeden Fall aus. Denn nur, so lautet sein Argument, „wenn wir hier vor Ort zusammenstehen“, könne man etwas erreichen.

VON STEFAN SCHMIDT

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