„Big Band Night“: Konzert des Jugendjazzorchesters Sachsen-Anhalt im Gardelegener Schützenhaus

Auf der Bühne wurde es eng

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Trat souverän in große Fußstapfen: Domenica Richter sang „I’m gonna live till I die“. Bekannt wurde der Song durch niemand Geringeren als Frank Sinatra. Aber auch von Soul-Stimme Queen Latifah wurde er bereits performt. In Gardelegen war das Arrangement von John Clayton zu hören.

Gardelegen. Es wurde ein wenig eng am Dienstagabend im Theatersaal des Schützenhauses. Leider galt das nur für die Bühne. Denn dort hatten sich – von Stück zu Stück in leicht variierender Besetzung – rund 20 Musiker des Jugendjazzorchesters (JJO) Sachsen-Anhalt versammelt.

Unter der Leitung von Ansgar Striepens gab das Ensemble ein Konzert unter dem Titel „Big Band Night“.

Das Orchester absolviert derzeit eine Art Geburtstagstournee, erzählte Claus Dietmar George, Geschäftsführer des Landesmusikrates, bei seiner Begrüßung. In Gardelegen sei man erstmals mit einer derart großen Formation zu Gast. Die meisten Mitglieder rekrutieren sich aus einem speziellen Workshop, der stets zu Jahresbeginn stattfindet. Aber auch über „Jugend jazzt“, eine Sonderkategorie des Wettbewerbs „Jugend musiziert“, finden Musiker den Weg in die Band. Gleich mehrere Preisträger dieses Wettbewerbs sind unter den JJO-Mitgliedern, sagte George. Und das seien ohnehin nicht wenige, denn im Verhältnis zu seiner Einwohnerzahl sei Sachsen-Anhalt das Bundesland mit den meisten Preisträgern. Die Zuschauer waren also informiert: Vor ihnen auf der Bühne stand eine Auswahl der besten Jazztalente des Landes.

Und die dadurch vielleicht zusätzlich gestiegenen Erwartungen wurden erfüllt. Schwungvoll startete das JJO mit dem ursprünglich von Stanley Turrentine stammenden Stück „Sugar“, gönnten sich und dem Publikum anschließend mit Bob Mintzers eher ruhig gehaltenen Werk „Original People“ eine kleine Verschnaufpause, bevor sie es bei „Smells like Teen Spirit“ wieder krachen ließen. Der rockige Klassiker der Band „Nirvana“ war von John Clayton für Big Band-Formationen arrangiert worden. Ruslan Wellner lieferte den Gesang. Der Wechsel von schwungvollen und ruhigeren Stücken setzte sich fort. Bei der Ballade „Autumn“ von Bob Florence übernahm Tim Pottel am Tenor-Saxophon den Solo-Part. Dabei setzte zwischenzeitlich auch einmal das gesamte Ensemble aus, sodass bei ansonsten völliger Stille das Bedienen der Klappen und selbst der das Instrument durchströmende Luftzug zu hören war. Pottel wie auch die anderen Solisten ernteten schon während der Stücke begeisterten Applaus vom Publikum. Bei John Scofields „Twang“ etwa traten mit Simeon Hudlet an der Gitarre und Paul Kunzmann an der Posaune gleich zwei Solisten nach vorn. Auf das unruhige Werk „Any Dude’ll do“ von Polyphonie-Spezialist Bill Holman folgte erneut ein Stück mit Gesang: Orchester-Leiter Ansgar Striepens selbst hat den Beatles-Song „Blackbird“ für die Big Band arrangiert, Sara Bodemann überzeugte die Zuhörer mit einer starken Gesangsperformance.

Einziger Wermutstropfen für das junge Orchester: Nur wenige Besucher verfolgten den sehr gelungenen Auftritt. Auf jeden Musiker auf der Bühne kamen vielleicht zwei Zuschauer in den Sitzreihen des Saals.

Von Karsten Tenbrink

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