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Brummi-Fahrer und die B 71: Ein Verbot, das keinen kümmert

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Schwerer Unfall auf A2 mit einem Gefahrguttransporter.

Die Horrormeldung vom Montag schreckte auf. Ein Auto fuhr auf der A 2 in einen Gefahrguttransporter, der Fahrer kam ums Leben. Die meistbefahrene Autobahn Deutschlands, wegen ihrer vielen osteuropäischen Brummis auch „Warschauer Allee“ genannt, war einen Tag lang gesperrt.

Stephan Schmidt

Was die Altmark damit zu tun hat? Nichts. Jedenfalls vordergründig nichts. Wir haben ja keine Autobahn. Immerhin: Die Altmark hat Bundesstraßen. Wie die B 71, die allerdings nicht von auswärtigen und durchfahrenden Lkw befahren werden darf. Jedenfalls, wenn man die großen Schilder auf der A 2 und der A 14 am Magdeburger Kreuz liest. Dort werden die Brummi-Fahrer aufgefordert, die A 2 zu benutzen. Und eben nicht die B 71. Doch daran hält sich niemand. Genauso wenig wie an das 30-km/h-Gebot in den Ortsdurchfahrten entlang der B 71 zwischen 22 und 6 Uhr, also nachts. Wer um diese Zeit tatsächlich mal in Winterfeld, Kakerbeck oder Letzlingen am Straßenrand steht, der weiß: Der Autopilot kennt keine 30 km/h. Mitunter nicht mal 60 km/h.

Was ohne Folgen bleibt. Denn kontrolliert wird so gut wie nie. Da wirkt es wie purer Hohn, als vor Jahren diese Lkw-Verbotsschilder von Politikern medienwirksam ins rechte Licht gerückt worden sind. Es sind jene Politiker, die heute, wenn sei einen Termin in der Altmark wahrnehmen, regelmäßig zu spät kommen, „weil unterwegs so viel Verkehr war“.

Und geradezu ein Treppenwitz ist es, dass an der B 71 südlich von Kakerbeck, auf dem „Langen Heinrich“, ein großer Parkplatz gebaut wurde. Mit großzügigen Stellplätzen für 15 Lastwagen. Für Fahrzeuge also, die dort eigentlich gar nicht fahren dürfen.

Um nicht missverstanden zu werden: Wir alle brauchen die Brummis. Schließlich sollen die Supermarktregale gefüllt sein. Die Altmark profitiert sogar von ihnen – an Tankstellen, Bäckereien und Raststätten. Aber wenn zwei Tage nach dem Horrorunfall auf der A 2 ein Lkw mit der Aufschrift „Gefahrgut“ und auswärtigem Kennzeichen über die B 71 fährt, dann will man sich nicht ausmalen, was hätte passieren können, hätte es den Horror-Unfall vom Montag nicht auf der A 2, sondern auf der B 71 in einer der vielen Ortsdurchfahrten gegeben.

Die anderen Lkw-Fahrer hätten dann wenigstens auf dem großzügigen Brummi-Parkplatz am „Langen Heinrich“ die Nacht verbringen können.

Von Stefan Schmidt

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