Gedenken des Luftangriffs der Alliierten vor 70 Jahren / Andacht in der damals zerstörten Nikolaikirche

Bomben fallen auf Gardelegen

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Zahlreiche Frauen und Männer waren gestern Nachmittag in die Nikolaikirche gekommen, um gemeinsam den Opfern von Krieg, Terror, Verfolgung und Gewalt zu gedenken.

Gardelegen. Gestern um 15.15 Uhr läuteten die Glocken der Gardelegener Nikolaikirche. Denn vor 70 Jahren am 15. März 1945 begann der einzige und verheerende Luftangriff der Alliierten auf Gardelegen. Es war ein sonniger Frühlingstag, der schrecklich endete.

Über 50 Menschen kamen ums Leben, die sich zumeist in einem öffentlichen Luftschutzraum nahe der ehemaligen Post befanden.

Daran erinnerten gestern zahlreiche Gardelegener mit einer Andacht an einem symbolträchtigen Ort – der Nikolaikirche. Denn auch sie wurde beim Bombardement zum größten Teil zerstört. Der damalige Gardelegener Superintendent Bodo Pauls und ein auswärtiger Pfarrer, die während des Angriffs noch Akten holen wollten, wurden unter ihren Trümmern begraben. Das einst strahlend-schöne Gotteshaus ist seitdem eine Ruine, die aber Dank des Vereins für Kultur- und Denkmalpflege heute als Begegnungsstätte dient und, wie gestern, ein Ort des Gedenkens ist. Und zwar nicht nur an die Opfer von vor 70 Jahren, sondern auch aller heute Verfolgter und Getöteter, wie Gardelegens Pfarrer Martin Goetzki deutlich machte.

Dennoch standen die schrecklichen Stunden vom 15. März 1945 gestern im Mittelpunkt und wurden noch einmal durch die Tagebuchaufzeichnungen von Kloster Neuendorfs damaligen Pfarrer Paul Pflanz wieder lebendig. Gabriele Schulz vom Gemeindekirchenrat trug die von Wally Schulz herausgesuchten Textpassagen vor und mahnte am Ende: „Setzen wir uns auch zukünftig und mit allen Kräften dafür ein, dass sich solch ein Ereignis nie wiederholen kann.“ Musikalisch umrahmt wurde die Andacht von Bernd Werner, dem musikalischen Leiter des Postchores, der Präludium und Fuge von Johann Sebastian Bach sowie den „Trauermarsch“ von Frédéric Chopin spielte.

Von Elke Weisbach

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