Stiftung Dome und Schlösser Sachsen-Anhalt öffnet zweites Obergeschoss des Letzlinger Jagdschlosses für Besucher

Boje Schmuhl: „Es ist super geworden“

Die Stiftungsmitarbeiter (v.l.) Eta Erlhofer-Helten, Verwaltungsdirektor Claus Rokahr, Vorstand Boje Schmuhl und Historikerin Dr. Katrin Tille hoffen auf großes Interesse für die erweiterte Ausstellung.

Letzlingen. Des Kaisers Tisch ist immer noch mit sein liebstes Ausstellungsstück. Prof. Konrad Breitenborn von der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt muss nicht lange überlegen, als er danach gefragt wird.

Nun hat das reich verzierte Möbelstück, das – wie auch ein Spiegelschrank – um 1895 zur Originalausstattung des Letzlinger Schlosses unter Wilhelm II. gehörte, erst im polnischen Lodz und später im Eifeldorf Abenden als Esstisch diente und 2006 zum 147. Geburtstag des Monarchen ins Schloss zurückkehrte, einen neuen Platz im hochherrschaftlichen Haus gefunden. Er ist nämlich künftig im zweiten Obergeschoss zu bewundern, das am Mittwoch nach mehrjähriger Instandsetzung offiziell mit einem kleinen Festakt, der von den Letzlinger Jagdhornbläsern musikalisch umrahmt wurde, mit Gästen aus Politik und Wirtschaft für Besucher eröffnet wurde.

In den sechs hinzugekommenen Räumen komplettieren etwa 200 Exponate wie originales Mobilar, Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und zahlreiche Dokumente die jüngere Geschichte des Hohenzollernhauses, das als Einziges in Sachsen-Anhalt die Zeit überdauert hat. Die Ausstellung informiert über die Hochphase der Hofjagden zwischen 1861 und 1912, die Nutzung des Schlosses durch die Freie Schul- und Werkgemeinschaft von 1922 bis 1933 und die Krankenhauszeit, die 1939 mit der Einrichtung eines Reservelazaretts begann und als Außenstelle des Gardelegener Krankenhauses bis 1991 andauerte. Des Weiteren wird über die Geschichte der Colbitz-Letzlinger Heide seit den 1930er Jahren informiert.

„Es ist super geworden“, schaute sich am Mittwoch auch Stiftungsvorstand Boje Schmuhl in den neuen Räumen um. Dabei sei die Sanierung, die insgesamt rund 375 000 Euro kostete, an sich nicht das große Problem gewesen, erklärte er, sondern die Schaffung eines zweiten Fluchtweges über eine Außentreppe sowie der Einbau eines Fahrstuhls, um Barrierefreiheit zu schaffen. Doch beides wurde realisiert. „Inklusion ist bei uns kein Schlagwort, wir tun es“, so Schmuhl. Nun hoffe er, dass die Region es zu schätzen lernt, welches Schmuckstück sie vorzuweisen hat. Denn darin sieht er „enormen Nachholbedarf“. Vor allem für den Geschichtsunterricht könnte das Jagdschloss genutzt werden. Es bietet in anschaulicher und komprimierter Form ein Stück deutscher Geschichte vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und Nazizeit bis zur DDR-Zeit.

Anschaulich wird es auch durch die Originale, die mittlerweile wieder entdeckt wurden. Denn von Anfang an war das Problem: „Wir hatten ein leeres Haus“, erläutert Historikerin Dr. Katrin Tille von der Stiftung, deren Nutzung sich nach der Kaiserzeit vielfach änderte. Sämtliches Mobilar wurde 1922 bei einer Auktion veräußert. So gab es auch keine Möglichkeit, ein Zimmer authentisch nachzustellen. Es gab im Vorfeld viel Geschichtliches aufzuarbeiten und zu recherchieren. Hilfreich war dabei ein noch vorhandenes Inventarverzeichnis vom Schloss um 1900, erzählt Dr. Tille, das auch ausgestellt ist. Es liegt neben einem alten Tapetenrest. Aus dem Verzeichnis wusste man beispielsweise, dass die Wände grün und die Decken getäfelt waren und welches Mobilar in welchem Zimmer stand. Bei der Gestaltung habe man sich an den letzten Umbauten aus dieser Zeit orientiert. Und manchmal tauchen immer noch Objekte auf, die aus dem Letzlinger Jagdschloss stammen könnten. Eins wird, wie Boje Schmuhl verriet, derzeit geprüft.

Von Elke Weisbach

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