Von Blücher: „Ich bin ein Lusttäter“

Hasso von Blücher (vorne) inmitten der Besucher während der Landparty(ie) kürzlich auf dem Gutshof in Zichtau. Rund zwei Millionen Euro hat der 69-Jährige bisher in das ehrgeizige Projekt investiert. Foto: Schmidt

Zichtau. Er wirkt so unauffällig wie sein eigener Besucher. Hasso von Blücher, 69 Jahre alt, hat nichts Kapriziöses an sich, nichts Großspuriges. Hier ein Schwätzchen, dort ein Händedruck.

Der Besitzer des Gutshofes von Zichtau, der in dem Dorf am Rande der Hellberge einen Teil seiner Jugend verbrachte, kommt ganz normal daher. Man könnte ihn glatt übersehen. Was vielen der mehreren tausend Besucher der Landparty(ie), die kürzlich in Zichtau stattfand, auch passierte.

Dabei verändert Hasso von Blücher seit einigen Jahren das Gesicht Zichtaus. Denn der in Celle geborene Geschäftsmann, der in Düsseldorf wohnt und es dort zu Wohlstand gebracht hat, hat die „Stiftung Zukunft Altmark“ gegründet. Mit Sitz in Zichtau. Dort, auf dem einst großelterlichen Gutshof, lässt Hasso von Blücher mehrere Häuser wieder aufbauen, der Park soll zu neuem Leben erweckt werden. Hasso von Blücher stellt aber auch klar: „Dies ist nicht der Ort, an dem sich ein privater Spleen verwirklichen will, hier träumt kein Möchtegern-Ludwig von einem altmärkischen Neuschwanstein.“ Bisher hat Hasso von Blücher, der Schutzanzüge gegen chemische Kampfstoffe für Armeen und den Katastrophenschutz herstellt und auch ein Spezialist in der Filtertechnik ist, rund zwei Millionen Euro in das Projekt gesteckt. Und ein Ende ist nicht abzusehen. „Ich habe viel Geld in meinem Leben verdient“, berichtet er. Einen Großteil seiner ersten drei Lebensjahre hat er in Zichtau verbracht, bei seiner Urgroßmutter, „Ömchen“ genannt. Sie war fast 50 Jahre lang als Gemeindeschwester tätig, erinnert sich Hasso von Blücher.

Sein Engagement in Zichtau habe nichts mit der „Wiederherstellung alter Verhältnisse“ zu tun, bekräftigt er. Und, mit einem gehörigen Schuss Ironie: „Ich bin froh, dass wir das alte Herrenhaus nicht mehr benutzen können. Insofern dürfen wir der Treuhand dankbar dafür sein, das sie alles hat verkommen lassen.“

Doch warum investiert Hasso von Blücher überhaupt in Zichtau? „Ich gestehe, dass mir dieses Projekt einfach verdammt viel Spaß macht.“ Und weiter: „Ich bin ein Lusttäter.“

Hasso von Blücher will aus Zichtau ein norddeutsches Zentrum für Gartenarchitektur machen. Der Sitz der Gartenakademie in Sachsen-Anhalt befindet sich in dem 264-Seelen-Dorf. „Die Idee dahinter ist, dass jeder, der in einer norddeutschen Stadt einen Garten anlegen will, vorher in die Altmark fährt, um sich die verschiedensten Gestaltungsmöglichkeiten vor Ort anzuschauen.“

Während Hasso von Blücher an der Treuhand, die das Gelände nach der Wende übernahm. kein gutes Haar lässt („Alles zerfiel unter der zerstörerischen Fürsorge der Treuhand, nicht einmal die Löcher in den Dächern wurden geflickt“), habe es in der DDR durchaus LPG-Chefs gegeben, die sich um solche Anlagen gekümmert hätten. „Leider hatten wir in Zichtau Pech“, so Hasso von Blücher. „Der Park wucherte im Laufe der Jahrzehnte zu und verschwand.“

Hasso von Blücher, das betont er während seines Vortrags in der neu errichteten Orangerie im Zichtauer Gutspark, gehe es um „Spaß, Freude und Nutzen. Ein Denkmal auf dem Gardelegener Marktplatz strebe ich definitiv nicht an.“ Sein Ansporn stattdessen: „Bei mir persönlich bestehen Nutzen und Spaß darin, dass ich endlich aus dem Rattenrennen des industriell-kommerziell geprägten globalen Wirtschaftslebens aussteigen kann.“

Von Stefan Schmidt

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