Ursula von der Leyen spricht bei Truppenbesuch in Letzlingen auch über Bundeswehrreform

„Bin großer Fan von Tagesmüttern“

Waren gestern mit der Bundesverteidigungsministerin unterwegs: Landtagsabgeordneter Uwe Harms (r.) und Landrat Michael Ziche.

Letzlingen. Einen kurzen Anfahrtsweg zum Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres hatte gestern Morgen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Denn sie war bereits einen Tag zuvor angereist und übernachtete im historischen Ambiente des Letzlinger Schlosshotels.

Am Abend hatte sie sich bereits zu einem ersten Gespräch mit dem Heeresinspekteur Bruno Kasdorf und dem Leiter des GÜZ, Oberst Gunter Schneider, getroffen. Diese beiden begleiteten von der Leyen unter anderem auch gestern bei ihrem Antrittsbesuch bei der Truppe im eigenen Land. Mit von der Partie im GÜZ und anschließend auf dem Truppenübungsplatz „Altmark“ waren auch der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Harms und Salzwedels Landrat Michael Ziche. Dort sah sich von der Leyen eine Übung an, an der auch rund zwei Dutzend Panzer beteiligt waren. „Ich erlebe hier eine hochkomplexe Situation, die geübt wird. Eine Gefechtssituation“, sagte die Ministerin.

Wichtig für von der Leyen waren auch die Gespräche mit den Soldatinnen und Soldaten vor Ort, die dem Panzerbataillon 413 der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ angehören, das derzeit im GÜZ ausgebildet wird. Und auch die Bundeswehrangehörigen freuten sich darauf, so zum Beispiel Hauptgefreite Christin Ritschel. Sie fühlt sich bei der Bundeswehr wohl und hält die Aussage, dass Frauen bei der Bundeswehr nicht genügend Kampfkraft haben, für nicht mehr zeitgemäß. „Wir machen einen guten Job, denke ich.“

Oberstabsgefreiter Josef Häusler findet die Gelegenheit, die Ministerin zu treffen, eine „super Sache“. Seine ganz persönliche Anregung für sie wäre, die Ausrüstung zu verbessern – zum Beispiel die Kampfstiefel, die bei diesem Wetter, blickte der 26-Jährige auf die verschneite Landschaft, wichtig sind. Dass von der Leyen die Bundeswehr familienfreundlicher gestalten möchte, findet er sehr gut, denn viele seiner Kameraden sind Väter, die sich beispielsweise nur sehr begrenzt um ihre Kinder kümmern können, was sie bedauern.

Für Mütter bei der Bundeswehr ist das noch schwieriger, wie Ursula von der Leyen im Gespräch mit den beiden Soldatinnen erfuhr. Eine von ihnen hat ein vierjähriges Kind. Die Betreuung funktioniere nur, weil ihre Mutter regelmäßig einspringt. Die Bundesverteidigungsministerin sieht in Tagesmüttern die Lösung für dieses Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, da sie flexibel arbeiten können. Und, so führte sie dazu aus: „Wir haben ja in der Bundeswehr einen Riesenvorteil gegenüber anderen Unternehmen, dass wir Platz haben in den Kasernen. Ich bin ein ganz großer Fan von Tagesmüttern.“ Auch jungen Vätern sollte durch flexiblere Arbeitszeiten entgegen gekommen werden. Denn „wir werden dann motivierte Soldaten haben“, wenn Zeit zum Luftholen, zur Erholung und für Familienleben gegeben ist.

Zudem machte die Ministerin gestern deutlich, dass sie die laufende Reform der Bundeswehr, die ihr Vorgänger auf den Weg gebracht hat, zu Ende führen will, auch um die Attraktivität der Bundeswehr zu erhöhen. „Die Truppe muss moderner und familienfreundlicher werden.“ Aufgrund der schon begonnenen Neuausrichtung gebe es viel Unruhe, die in zahlreiche Beschwerden münden. Die Ministerin nimmt die Kritik, die auch der Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Hellmut Königshaus, geäußert hatte, ernst und will reagieren. Zum Beispiel sollen häufige Versetzungen vermieden werden. Auch lasse sie derzeit prüfen, ob die Zahl der Bundeswehrabbrecher nach einigen Monaten Dienst – „Wir haben keine Probleme bei der Bewerbungslage“ – im Vergleich zu anderen Ausbildungen oder Studiengängen höher ist oder im Durchschnitt liegt, um entsprechend reagieren zu können.

Des Weiteren verteidigte von der Leyen die Pläne nach dem Afghanistaneinsatz, das Engagement der Bundeswehr auf dem afrikanischen Kontinent zu verstärken. Alles sei mit den entsprechenden Gremien wie Bundesaußenministerium, Bundeskanzleramt und Bundesministerium für Entwicklungshilfe sowie den europäischen Partnern abgesprochen.

Von Elke Weisbach

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