Romy Topf stellt digitale Schnitzeljagd in Leipzig vor / Einrichtungen müssen digitaler werden

Bibliothek mit Bounds erkunden

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Für die von Romy Topf entwickelten Bounds werden nicht nur am Tablet Fragen beantwortet, sondern in der Bibliothek auch nach bestimmten Gegenständen, wie Buchtresoren, gesucht.

Gardelegen. Die Karte zeigt die Gardelegener Bibliothek, lotst die Schüler mit Fragen und Rätseln durch die Räumlichkeiten, wo sie nach Schatztruhen, Büchern oder QR-Codes suchen – mit der App „Actionbound“ wird die Einrichtung von Kindern und Erwachsenen digital und analog entdeckt, erzählt Romy Topf.

Die Bibliothekarin hat die digitale Schnitzeljagd, die auch Bound genannt wird, für die Gardelegener Einrichtung erstellt und informiert über ihre Praxiserfahrungen mit “Actionbound“ bei der Veranstaltung „Einfach digital“ am kommenden Mittwoch in Leipzig. ´

Das soll andere Bibliotheken ermutigen, digitaler zu werden, erklärt Romy Topf. Das muss auch sein, „sonst gibt es uns bald nicht mehr“, ist sie sich in Bezug auf Bibliotheken sicher. Denn mit Apps wie „Actionbound“ werden Einrichtungen nicht nur moderner, sondern auch für deren Nutzer interessanter, denn sie lernen die Bibliothek spielerisch kennen. Dabei werden positive und negative Emotionen erzeugt, sodass das Vermittelte eher im Gedächtnis bleibt. Und zwar durch die Verbindung von digital und analog. Das gelingt dadurch, dass beispielsweise Schüler die Einrichtung mit Romy Topf erkunden, bevor die digitale Rallye, die meist in eine spannende Geschichte eingebunden ist, mit der App beginnt. Dabei müssen die Kinder und Jugendlichen unter anderem Fragen zur Ausleihe oder dem Bibliotheksausweis beantworten, schätzen, wie viele Medien es gibt, QR-Codes finden, die sie in andere Räume führen oder Rätsel erraten, deren Lösungen für spätere Aufgaben wichtig sind, wie ein Schlüssel aus einem Buchtresor oder mehrere Zahlen zum Öffnen von Schlössern. So lernen die Kinder nicht nur viel über die Bibliothek. Mit „Actionbound“ wird das Lesen sowie das Verstehen des vorgetragenen Textes bei Schülern und Medienkompetenz für die Bedienung des Tablets gefördert, nennt Romy Topf einige Beispiele für die Bounds.

Angefangen hat es damit 2014. In diesem Jahr gewann die Bibliothek den Preis der Wirtschaftskammer des Landes Sachsen-Anhalt und Romy Topf absolvierte eine Fernweiterbildung für Bibliotheksmanagement in Potsdam. Bei einem Medienpraktikum wurde der Bibliothekarin eine ähnliche App wie „Actionbound“ vorgestellt, da kam ihr die Idee, solche Rallyes für die Gardelegener Einrichtung zu entwickeln. Das wurde mit dem Preisgeld auch möglich, Tablets wurden angeschafft, Lizenzen gekauft. Dabei hat Romy Topf, die seit 2017 zertifizierte „Actionsbound“-Referentin ist und Workshops gibt, schnell gemerkt, dass „das gar nicht so einfach ist“, solche Bounds zu erstellen. Denn sie ist keine Gamedesignerin, die klassische Arbeitsweise einer Bibliotheksmitarbeiterin „wird auf den Kopf gestellt“ und das Entwickeln nimmt viel Zeit in Anspruch. So brauche man zum Erstellen von fünf Minuten Spielzeit eine Stunde. Das bedeutet für die 60-minütigen Bounds werden zwölf Stunden Arbeitszeit benötigt. Dazu ist ein gutes Team wichtig, das einem so etwas auch ermöglicht, erklärt Romy Topf, immerhin werden die Rallyes während ihrer Arbeitszeit erstellt. Zudem ist es die Krux beim Erstellen der Schnitzeljagd, „das Digitale mit dem Analogen zu verbinden“.

Das war schließlich 2016 so weit. Zwar nicht perfekt, erinnert sich Romy Topf, „aber ein Anfang“. Denn das Entwickeln der Bounds, in die auch Fotos sowie Videos eingebaut werden können, ist damit nicht abgeschlossen. Immer wieder werden diese von der Bibliotheksmitarbeiterin verändert und angepasst. Oder sogar ganz neue Ideen für die Rallyes entwickelt. Zum Beispiel für jüngere Besucher, momentan sind die Bounds für Kinder ab der vierten Klasse oder für neu angemeldete Nutzer. Eine weitere Idee ist ein Lesesommer XXL-Bound für das nächste Jahr. Das soll für das zehnjährige Jubiläum der Lese-Aktion gemeinsam mit der Salzwedeler Bibliothek erstellt werden. Damit sollen Schüler nicht nur Lesen, sondern freiwillige Aufgaben zu den Schmökern erledigen. „Ein Buchcover neu malen oder ein Kompliment für die Bibliotheksmitarbeiter“, stellt sich Romy Topf vor.

Von Ina Tschakyrow

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