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Selbstmord-Attentat als Bundeswehr-Übung in Letzlingen

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Von: Stefan Schmidt

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Frau im Gespräch mit Soldaten
Die Politikerin im Gespräch mit Soldaten © Stefan Schmidt

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht besuchte das GÜZ bei Letzlingen

Letzlingen –Bisher hat noch jeder Bundesverteidigungsminister oder -ministerin während der jeweiligen Amtszeit das Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres bei Letzlingen besucht. Am Montag kam nun die aktuelle Ministerin, Christine Lambrecht, in die Colbitz-Letzlinger Heide. Die SPD-Politikerin schaute sich während ihres mehrstündigen Aufenthalts auf dem Truppenübungsplatz Altmark eine Übung des Jägerbataillons 292 aus dem schwäbischen Donaueschingen an. Die Soldatinnen und Soldaten trainieren seit knapp zwei Wochen bei Letzlingen für ihren Einsatz im afrikanischen Mali. Es üben derzeit erstmals alle Einsatzkräfte gemeinsam, die anschließend in den Mali verlegt werden. Dazu gehören unter anderem die Luftlande-Aufklärungskompanie 310 aus dem niedersächsischen Seedorf sowie die 3. Kompanie des deutsch-französischen Versorgungsbataillons aus dem badischen Müllheim.

Als Christine Lambrecht zur Mittagszeit auf dem GÜZ-Gelände landete, hatte sie leichten Rückenwind. Besser ausgedrückt: Der Luftwaffen-Hubschrauber, der sie im Rahmen ihrer Sommerreise aus dem niedersächsischen Munster in die Altmark flog. Dort empfing sie der Leiter des GÜZ, Oberst Michael Knoke, und führte sie nach einem Rundgang durch das Lagezentrum, wo alle militärischen Bewegungen auf dem weitläufigen Gelände des Truppenübungsplatzes Altmark per Computer erfasst werden, zu einer momentan laufenden Übung in Höhe des Pfahlbergs im Norden des Areals. Dort wurde für die Truppen, die ab September für sechs Monate in den Mali verlegt werden, ein Selbstmord-Attentat simuliert, das drei verwundete Bundeswehr-Soldaten zur Folge hatte. Wie die Verletzten aus dem Gefahrenfeld herausgeholt und kurz danach ärztlich versorgt werden, das sah Christine Lambrecht aus nächster Nähe und zeigte sich „sehr beeindruckt“ auch vom engen Zusammenwirken der verschiedenen Truppenteile.

Weiter ging es für die Ministerin und die beiden altmärkischen Bundestagsabgeordneten aus Stendal, Herbert Wollmann (SPD) und Marcus Faber (FDP), die Lambrecht begleiteten, in die Übungsstadt Schnöggersburg, die sich mitten auf dem Militärgelände befindet und mittlerweile fertiggestellt ist. Dort erläuterte Knoke vom Dach eines Gebäudes im „Regierungsviertel“ aus, wie sich Schnöggersburg mit seinen 520 Gebäuden aufbaut – vom Elendsviertel über eine Altstadt bis zu einem Universitätsgebäude. Angesichts des russischen Kriegs gegen die Ukraine mit Angriffen auf die Zivilbevölkerung, Bombardierungen von Industrieanlagen und Städten sowie der Flucht von Familien in U-Bahn-Schächte sieht Knoke denBau von Schnöggersburg als notwendig und hochaktuell an – die Bundesverteidigungsministerin widersprach dem nicht.

Bevor sich Christine Lambrecht den Fragen der mitgereisten Pressevertreter – auch aus der Hauptstadt Berlin – stellte, setzte sie sich in ein Bundeswehrzelt und führte Gespräche mit einigen der derzeit in der Colbitz-Letzlinger Heide übenden Soldaten, deren Durchgang am Dienstag endet.

Das Gefechtsübungszentrum bei Letzlingen geht nun erstmal in eine Sommerpause. Bis zum Jahresende sind alle Übungsdurchgänge ausgebucht.

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