Bald keine Büros mehr

Es war einmal: Der Jävenitzer Bürgermeister Heinz Baldus in seinem Büro im Weidenhof. Baldus ist seit Jahresbeginn kein Ortschef mehr. Und auch das Büro könnte bald, wie woanders auch, anderweitig genutzt werden. Das hat der Gardelegener Stadtrat entschieden.

Gardelegen. Es gab einmal vor mehr als 15 Jahren einen Bürgermeister, der hielt seine Sprechstunde unter freiem Himmel ab. Klaus Münster hieß er und stellte sich einmal im Monat im kleinen Dörfchen Zühlen bei Arendsee in die Bushaltestelle. Mangels Räumlichkeiten im Ort fand dort, zwischen Busplan-Aushängen und Zigarettenkippen, seine regelmäßige Bürgersprechstunde statt. Weil die Bushaltestelle der Dorfmittelpunkt war.

Ganz so wird es wohl demnächst im Raum Gardelegen nicht sein. Aber seit dem jüngsten Stadtrat steht fest: Die Ortsbürgermeister in den Umlanddörfern müssen sich umstellen. Der Stadtrat, in dem auch mehrere dieser Ortsbürgermeister sitzen und stimmberechtigt sind, hat nämlich mehrheitlich entschieden, die Büros dieser Repräsentanten vor Ort zu schließen. Auf Antrag der Fraktion der Freien Liste sollen die Räumlichkeiten anderweitig genutzt werden. Die Büros für die Bürgermeister „kommen aus der Zeit der selbstständigen Gemeinden“, so heißt es in dem Antrag der Freien Liste. „Diese Büroräume“ seien nun „überflüssig geworden.“

Dies bedeutet, nachdem die Mehrheit der Stadträte den Antrag unterstützt, um Geld im städtischen Haushalt einzusparen: Die Büros, die es noch in vielen Orten rund um Gardelegen gibt, werden dicht gemacht. Sprechstunden der Ortsbürgermeister oder auch der ganze Schriftkram müssen künftig woanders erledigt werden. Beispielsweise im Feuerwehr-Gerätehaus oder im Dorfgemeinschaftshaus, sofern es dort überhaupt Platz gibt. Oder eben bei den Dorfchefs in den eigenen vier Wänden.

Die bisherigen Büros, so heißt es im abgesegneten Freie-Liste-Antrag weiter, seien „einer anderweitigen Nutzung zuzuführen“, die Räume könnten also möglicherweise verkauft werden. Dies könnte auch für relativ große Räumlichkeiten wie das Elisabeth-Haus in Letzlingen und den Weidenhof in Jävenitz gelten.

Von Stefan Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare