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Ein Badehandtuch für den Retter

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Schmidt
Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs bedankte sich bei Christian Zembruski für seine Rettungstat – und wollte ihn am liebsten gleich als Rettungsschwimmer anwerben.

Gardelegen - Von Stefan Schmidt. Fünf Tage nach der Rettungstat des Schülers Christian Zembruski hat sich die Stadt Gardelegen offiziell bei dem 13-Jährigen bedankt. Und zwar mit einem Badehandtuch und einer wasserdichten bunten Uhr. Der Junge hatte ein fünfjähriges Mädchen bewusstlos aus dem Nichtschwimmerbecken des Gardelegener Freibades gezogen.

Er tätschelte ihn am Kopf, gab ihm einen kleinen Klaps und sagte: „Das hast Du toll gemacht.“ Konrad Fuchs, Gardelegens Bürgermeister, traf gestern den 13-jährigen Christian Zembruski. Der Schüler der Karl-Marx-Sekundarschule in Gardelegen hatte fünf Tage zuvor, am Sonntagnachmittag, einem kleinen Mädchen möglicherweise das Leben gerettet. Die Fünfjährige war im Nichtschwimmerbecken des Gardelegener Freibades bewusstlos geworden und tauchte leblos unter. Der Schüler befand sich zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe, sah durch seine Taucherbrille unter Wasser den sich in Richtung Beckenboden bewegenden Körper des Mädchens, riss sich die Brille vom Kopf, um besser sehen zu können, und tauchte nach dem Mädchen. Dann zog er den Körper an den Beckenrand, wo das Kind von einer Frau und dem alarmierten Schwimmmeister Otto Metz per Herzdruckmassage wiederbelebt wurde. Kurz danach erlangte es das Bewusstsein wieder, wurde mit einem Rettungshubschrauber nach Magdeburg geflogen, konnte aber bald wieder die Klinik verlassen.

Als Dankeschön für seine Tat überreichte Fuchs dem 13-Jährigen ein Badehandtuch und eine bunte wasserfeste Uhr. Der Junge ist begeisterter Schwimmer und besucht auch regelmäßig das Gardelegener Freibad – nach dem Zwischenfall am Sonntag war er gestern erstmals wieder zum Baden gefahren.

Fuchs fand es vor allem bemerkenswert, dass der Junge das Mädchen ganz alleine aus dem Becken gezogen hatte – und fasste ihm erstmal bewundernd an die Unterarm-Muckis. „Wir brauchen noch Rettungsschwimmer“, bot der Bürgermeister dem Schüler an. Er könne sich angesichts seines Mutes und seines entschlossenen Handelns später gerne mal melden. Christian guckte leicht verschüchtert zu Boden: „Mal sehen.“ Er wisse noch nicht so recht, was er später mal werden wolle.

Dafür erneuerte der Junge die Vorwürfe gegen Schwimmmeister Otto Metz. Der habe erstmal in Ruhe seine Zigarette ausgedrückt und sei dann „gemächlich“ zum Ort des Unglücks geschritten. Ein Vorwurf, den Metz selbst bestreitet. Und auch Fuchs stellt sich hinter den Bad-Bediensteten, sieht derzeit keinen Anhaltspunkt für ein Fehlverhalten. Im Raum steht aber seit Sonntagabend eine Strafanzeige gegen den Schwimmmeister, gestellt von Felicitas Zembruski, der Mutter des Jungen.

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