Frapa-Plast-Brand: Mit Werkfeuerwehr und Abrissfirma ging die Arbeit weiter

Außen Beton, innen Lava

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Zwischen den verbogenen Aufbewahrungsboxen hat sich auf dem Gelände von Frapa-Plast ein Vulkan aus verkohltem und geschmolzenem Kunststoff gebildet. Die äußere Hülle ist betonhart, doch von innen entweicht noch Rauch des glühenden Plastik-Lavas.

Gardelegen. „Die Feuerwehrleute hier haben grandios gearbeitet. Dass sie das gehalten haben... “, schüttelt Sebastian Tschenisch fast ungläubig und beeindruckt den Kopf: „Es war sehr gefährlich und sehr mutig, da rein zu gehen.“

Tschenisch kam Sonnabendnacht gegen 1 Uhr in Gardelegen an, um schon alles für seine Kameraden vorzubereiten. 

Sebastian Tschenisch ist stellvertretender Leiter der Securitas Werkfeuerwehr, die am Wochenende in Gardelegen arbeitete.

Er ist stellvertretender Leiter der Securitas Werkfeuerwehr, die den Brandschutz und die -vorbeugung des Chemieparks Bitterfeld-Wolfen absichert. Die Werkfeuerwehr ist aber auch bundesweit aufgestellt und hat den Hauptsitz in Berlin. Die Berufsfeuerwehrleute sind auf Groß- und Industriebrände spezialisiert und verfügen über entsprechende Technik. Und diese musste auf dem Gelände von Frapa-Plast ab Sonnabendvormittag zum Einsatz kommen. 

Direkt außen am Frapa-Plast-Gelände sieht es aus wie im Ödland, die Natur hat durch den Großbrand mitgelitten. In welchem Ausmaß, das muss jetzt das Kreis-Umweltamt ermitteln.

Denn die hiesigen Feuerwehren konnten die großen Kunststoffklumpen, die sich durch den Großbrand auf dem Außenlager der Firma gebildet hatten, mit ihrer Technik nur noch kühlen und die letzten offenen Brandherde löschen. Doch im Inneren glühte es nach wie vor – Kunststoff verhält sich wie Lava. Die oberen Kunststoffschichten seien hart wie Beton und teils 30 Zentimeter dick, so Tschenisch – darunter sei es noch flüssig. 

Mit Radladern und Baggern einer Magdeburger Abrissfirma wurden die Schrott- und verschmolzenen Kunststoffhaufen am Brandort voneinander getrennt.

Angefordert wurde deshalb auch eine Magdeburger Abrissfirma, die ebenfalls innerhalb solcher Szenarien, wie sie am Mittwoch in Gardelegen passierten, zum Einsatz kommt. „Bagger und Radlader trennen den Plastikmüll und den Schrott und ziehen alles auseinander und wir löschen dabei ab. Anders wäre das Ganze nicht möglich“, erklärt Tschenisch. In mehreren Schichten waren bis Sonntagabend immer neun Werkfeuerwehrmänner mit zwei Großfahrzeugen im Einsatz. An den Pumpen der Fahrzeuge, die 862 Liter Wasser pro Minute aufnehmen, sind Wärmebildkameras angebracht, mit denen die verbrannten Kunststoffe fortlaufend kontrolliert wurden. Eine Drohne hat geholfen, die Gefahrenstellen noch besser zu lokalisieren. „Seit vier Stunden haben wir keine Rauchentwicklung“, meinte Tschenisch am Sonnabend um kurz vor 14 Uhr.

Mit einer Wärmebildkamera musste das Material fortlaufend kontrolliert werden, um einen erneuten Brand zu verhindern.

Um 20 Uhr am Sonntag waren die Arbeiten planmäßig beendet. Alles habe gut und wie erhofft funktioniert, so Gardelegens Stadtwehrleiter Sven Rasch gestern, der selbst einen Brand solchen Ausmaßes noch nicht erlebt hatte, wie er meinte. Rasch hatte im Auftrag der Stadt am Freitagabend die Werkfeuerwehr per Amtshilfeersuchen angefordert. Auch die örtlichen Brandschützer waren noch immer wechselnd mit je zwölf Kameraden bis 22 Uhr gestern Abend vor Ort. Anschließend wurde eine Brandsicherheitswache eingerichtet.

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig und Kreis-Mitarbeiter Andreas Vogel waren am Sonnabend vor Ort.

Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Zepig machte sich gemeinsam mit Andreas Vogel, der im Bereitschaftsdienst des Altmarkkreises Salzwedel war, am Sonnabend auch ein Bild von dem Schaden, der auf dem Frapa-Plast-Gelände entstanden ist. Wenn man sich alles ansehe, „ist das wieder so ein Moment“, so Zepig, in dem man den Feuerwehrleuten, die sich in Gardelegen ehrenamtlich engagieren, nicht genug danken könne. Nun beginnt „die juristische Aufarbeitung“ des Großbrandes, so die Bürgermeisterin. Das Kreis-Umweltamt, das erstmalig am Sonnabend vor Ort gewesen sein soll, muss den Schaden für die Umwelt ermitteln. Voraussichtlich am Mittwoch wird die Brandermittlung durch die Kripo des Kreises sowie das Landeskriminalamt aufgenommen. Zahlreiche Feuerwehrtechnik, ob nun Bekleidung oder Schläuche, sind kaputt gegangen und müssen ersetzt werden. Die Kosten müssen ermittelt und Versicherungsfragen geklärt werden. Insgesamt betrachtet sei dies aber zweitrangig, so Mandy Zepig: „Hauptsache niemandem ist etwas passiert.“ Und die Brandschützer, die hat dieser Einsatz definitiv „zusammengeschweißt“, so Sven Rasch.

Von Hanna Koerdt

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