„In dubio pro OP“

Assistenzarzt des früheren Wirbelsäulen-Zentrums in Gardelegen vor Gericht

Assistenzarzt Igor N. sitzt seit gestern auf der Anklagebank im Landgericht Stendal.
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Assistenzarzt Igor N. sitzt seit gestern auf der Anklagebank im Landgericht Stendal.
  • Stefan Schmidt
    vonStefan Schmidt
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Gardelegen / Stendal – Es ist mehr als acht Jahre her, dass das Altmark-Klinikum in Gardelegen überregional in die Schlagzeilen geriet.

Damals gab es im angegliederten Wirbelsäulen-Zentrum Operationen, die laut späterem Gutachten nicht nur unnötig waren, sondern auch Patienten schädigten.

Vor dem Kadi im Landgericht Stendal sitzt seit gestern mit Igor N. ein Arzt, der am 22. November 2011 ohne die Anwesenheit eines Facharztes eine Wirbelsäulen-OP gemacht haben soll. Der Tatvorwurf lautet auf fahrlässige Körperverletzung. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Das Verfahren gegen den eigentlichen Hauptangeklagten, den damaligen Leiter des Wirbelsäulenzentrums und Honorararzt Dr. T. , wurde gegen die Zahlung einer fünfstelligen Summe eingestellt.

Als Zeuge sagte gestern der damalige Geschäftsführer am Altmark-Klinikum, Matthias H., aus. Er war vom 1. Januar 2010 bis zu seiner Entlassung im Februar 2013 in dieser Position tätig. Der 55-Jährige konnte sich vielfach an Details nicht erinnern, verwies stets auf die Zeitspanne: „Das ist jetzt schon acht Jahre her.“ Eines wusste H. aber: Der damalige Chefarzt der Chirurgie, Dr. F., habe die Verantwortung zu tragen. Er sei schließlich der Fachmann gewesen. H. selbst bezeichnete sich als „Schlipsträger, in Medizin kenne ich mich überhaupt nicht aus.“

Einen Brandbrief von neun teils langjährig tätigen Ärzten, in dem die Zustände am Wirbelsäulen-Zentrum angeprangert wurden, ordnete H. gestern so ein: „Der Chefarzt hatte seine Mannen hinter sich geschart.“Auch Neid gegenüber dem „extrem viel“ verdienenden Honorararzt, der pro Operation bezahlt wurde – der Verteidiger nannte die Arbeitsauffassung „In dubio pro OP“ – mochte der Geschäftsführer nicht ausschließen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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