1. az-online.de
  2. Altmark
  3. Gardelegen

Gardelegen: Hakenkreuz oder Fledermaus gesehen?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ina Tschakyrow

Kommentare

Das Amtsgericht Gardelegen
Das Verfahren wurde eingestellt. © Stefan Schmidt

Hat ein Zeuge ein Hakenkreuz oder eine Fledermaus in einem Auto gesehen? Das konnte nicht aufgeklärt werden, weswegen das Verfahren um das Verwenden verfassungswidriger Kennzeichen am Amtsgericht Gardelegen eingestellt wurde.

Gardelegen – Wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen stand ein Mann vor dem Amtsgericht Gardelegen. Ob tatsächlich in seinem VW-Bus eine Fahne hing, auf der ein Hakenkreuz abgebildet war, konnte Donnerstagvormittag nicht geklärt werden. Das Verfahren wurde eingestellt.

Es ging bei der Anklage um den 3. Oktober des vergangenen Jahres, als in einer Ortschaft der Gardelegener Einheitsgemeinde eine Veranstaltung stattfand und ein Mann im Auto des Angeklagten die Fahne mit dem Hakenkreuz gesehen haben soll. Dazu erklärte der Verteidiger des Angeklagten, dass dieser an diesem Tag in dem Ort war, mit Bekannten am Lagerfeuer saß und Alkohol konsumiert wurde. Der Angeklagte war laut seines Verteidigers im VW-Bus, aber streitete ab, dass es „eine verfassungswidrige Fahne“ im Fahrzeug gab. Stattdessen war dort ein Aufkleber mit einer schwarz-weißen Fledermaus in einem roten Kreis, ein Logo eines Unternehmens, erklärte der Verteidiger. Er äußerte zudem die Vermutung, dass es bei dieser Sache eigentlich um eine Mietangelegenheit geht. Der Angeklagte hatte ein Haus gemietet und der Vermieter „wollte ihn raushaben“. Der Vermieter sei mit dem Mann, der den Angeklagten anzeigte und der auch vor Gericht erschien, bekannt, klärte der Verteidiger den Zusammenhang auf. Der Angeklagte war zudem darüber irritiert, dass sich der Zeuge bei der Veranstaltung zur Gruppe um den Angeklagten gesellte. Wie der Angeklagte später herausfand, wurde herumerzählt, dass „er schon öfter mit Fahne herumgelaufen“ sei, was aber nicht stimmt, sagte er.

Der Zeuge gab an, die Fahne mit dem Hakenkreuz im Auto gesehen zu haben. Wie genau das Symbol aussah, konnte er nur auf Nachfrage von Richter Axel Bormann benennen. Die Fahne soll rechteckig gewesen sein, das Hakenkreuz schwarz und von einem roten Kreis umgeben. Die Staatsanwältin wollte wissen, aus welchem Material die Fahne war, was der Zeuge aber nicht erkennen konnte. Er konnte auch nicht sagen, ob es Licht im VW-Bus gab. Es müsste Licht an gewesen sein, sonst hätte er die Fahne nicht sehen können, die er „ganz klar gesehen“ hat. Er konnte auch nicht genau angeben, wo sich die Fahne im Auto befand.

Nachdem er das Symbol gesehen hatte, fragte er den Angeklagten, ob das „sein Ernst“ sei. Er schaute zur Fahne, dann zum Angeklagten, „meinte ‘Ja’“, und gab an, dass das „seine Meinung“ und „seine Einstellung“ wäre, woraufhin der Zeuge ging. „Ich wollte nicht, dass das eskaliert“. Als er am Tag danach nach Hause fuhr, rief er den damaligen Chef des Angeklagten an, um zu fragen „ob er weiß, dass sein Mitarbeiter solch eine Einstellung habe“. Die Anzeige erfolgte etwa eine Woche später, am 11. Oktober. Das begründete der Zeuge auf Nachfrage damit, dass er sich erst genau überlegen wollte, ob er das anzeigt oder nicht.

Auch interessant

Kommentare