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Altmark ist kaum bekannt, aber…

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Prof. Dr. Bernd Eisenstein (links) bei seinem Vortrag über die touristischen Chancen der Altmark: „Eine eigene Marke zu entwickeln, das ist sehr, sehr schwierig.“

Gardelegen - Von Stefan Schmidt. Die Altmark muss sich als eigenständige Marke stärker profilieren. Das sagt Prof. Dr. Bernd Eisenstein, Geschäftsführer des Instituts für Management und Tourismus der Fachhochschule Westküste aus dem schleswig-holsteinischen Heide. Er hielt während des „Zehnten Regionalen Erfahrungsaustausches Touristik“ am Mittwoch im Gardelegener Volkshaus einen Fachvortrag.

Da staunte der Professor. Denn die Altmark ist beliebt. Nicht in allen Altersgruppen. Aber bei den 55- bis 64-Jährigen. Das seien jene Menschen, „bei denen die Kinder schon aus dem Haus sind, die aber noch mobil sind“, erklärte Bernd Eisenstein. Sein Institut hat 133 deutsche Urlaubsregionen untersucht. Darunter auch die Altmark. Ergebnis: Nur 36 Prozent aller Deutschen, so eine Umfrage seines Instituts, würden mit der Altmark überhaupt etwas anfangen können – ohne zwingend jemals da gewesen zu sein. Aber: Wer die Altmark besucht, der ist überdurchschnittlich angetan von der Region.

Vor allem eben bei den Menschen um die 60. Und: Die Altmark ist überproportional bekannt in Thüringen und Sachsen sowie in Norddeutschland. Auf diese Klientel, so riet Eisenstein während seines Vortrags im Gardelegener Volkshaus, wo rund 100 Gäste der Tourismus-Konferenz, organisiert von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg, beiwohnten, müsse man sich hauptsächlich konzentrieren.

Die Marktanalyse fand außerdem heraus, dass die Altmark unter 88 vergleichbaren Urlaubsregionen in Deutschland Platz 74 belegt. Eingekeilt zwischen dem Bayerischen Schwabenland und dem Oldenburger Münsterland. Das sei zwar weit hinten, müsse aber nicht zwangsläufig schlecht sein. Wichtiger sei, dass diejenigen, die da waren, zufrieden gewesen seien. „Wer unzufrieden war, der erzählt das im Bekanntenkreis weiter, der schreibt das ins Internet“, so Eisenstein.

Wichtig sei auch, wenn vorhanden, ein Alleinstellungsmerkmal. Dies müsse aber auch touristisch vermarktbar sein. Als Negativ-Beispiel nannte der Referent seinen Arbeitsort Heide an der Nordseeküste. Dort werbe man mit Deutschlands größtem Marktplatz. Das sei zwar für die eigene Bevölkerung durchaus identitätsstiftend. Aber niemand mache extra Urlaub, weil man dort Deutschlands größten Marktplatz habe. „Zumal das längst kein Marktplatz mehr ist“, so Eisenstein, „sondern eine große Parkfläche.“ Der dreieckige Rathausplatz in Gardelegen, deutschlandweit wohl ebenfalls einmalig, wäre also nicht gerade ein Grund, nur deshalb Urlaub in der Region zu machen.

Ein Positiv-Beispiel für ein Alleinstellungsmerkmal sei die Nordsee-Insel Sylt. Die kenne jeder, diese Insel sei in Deutschland einzigartig. Und dennoch: Die Sympathiewerte für Sylt seien eher mittelmäßig – entweder ist man von der Insel begeistert, oder man lehne sie als Urlaubsziel rundweg ab. Zum Erstaunen der Zuhörer, viele davon aus der Hotel- und Tourismusbranche, nannte Eisenstein genau dies „ideal“. Denn Sylt konzentriere sich bei der Werbung auf eine bestimmte, ihr zugetane Klientel. Andere Urlaubergruppen seien den Syltern dagegen egal. Und so riet Eisenstein mit Blick auf die hohen Sympathiewerte unter den 55- bis 64-Jährigen die Altmark: „Gehen Sie unbedingt da rein.“

Eisenstein warnte allerdings davor, die Qualität überzubewerten. „Qualität will mittlerweile jede Urlaubsregion anbieten.“ Besser wäre es, Qualität in Verbindung mit einem akzeptablen Preis anzubieten. „Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht nicht darum, billig zu sein, sondern nicht teuer.“

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