Die Technik des Körbeflechtens beherrschen nur noch wenige – Gustav Giggel aus Peckfitz ist einer von ihnen

Ein altes Handwerk stirbt aus

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Die Technik des Körbeflechtens erfordert Geduld, Kraft, Fingerfertigkeit und „die Fähigkeit bis drei zählen zu können“, so Giggel.

Peckfitz. Da sitzt er im wohlig warmen kleinen Heizraum. Um ihn herum seine Kurzhaardackel-Hündin Dela, die ihren Herren während seiner Arbeit nicht von der Seite weicht. Die Rede ist von Gustav Giggel aus Peckfitz.

Während Gustav Giggel seinem Hobby nachgeht, ist Kurzhaardackel-Hündin Dela immer an seiner Seite.

In der Winterzeit sitzt der Rentner in seinem Heizraum und widmet sich seinem langjährigen Hobby – dem Körbeflechten. Einem Handwerk, das, wie seine Ehefrau Brigitte erklärte, langsam ausstirbt. Seit Kindheitsjahren beherrscht er die Technik des Körbeflechtens, die ihm einst sein Vater beibrachte. „In der Landwirtschaft hatte man im Winter nichts zu tun, außer Reperaturarbeiten zu verrichten. Da gehörte das Flechten von Körben dazu“, berichtet Brigitte Giggel. In den Körben wurde, wenn sie dann fertig waren, Tierfutter, Obst, Getreide und andere Dinge aufbewahrt. Körbe habe man eben immer gebraucht, sagt sie. Der „Kolonist“, wie Brigitte ihren Mann neckisch bezeichnet – er kommt aus Himmelreich –, ist von Kindesbeinen gewohnt, alles selber herzustellen und dadurch sehr geschickt mit seinen Händen. Als er noch berufstätig war – mittlerweile ist er seit zehn Jahren im Ruhestand –, saß er nach Feierabend in seinem Heizraum und flocht seine Körbe. „Die Leute standen Schlange und wollten Körbe haben“, erinnert er sich.

Während des Flechtens muss Gustav Giggel immer wieder mit dem Hammer auf die Zweige schlagen, damit sie sich setzen.

Ein Nachteil, wenn man es denn als solches sehen kann, hat sein Hobby – er kann dem nur in den Wintermonaten nachgehen. Das heißt von November bis Februar, wenn die Weiden noch keine Triebe haben. Dann macht er sich gemeinsam mit seinem Nachbarn auf den Weg in den Drömling, um nach Weiden zu suchen. „Weiden zu suchen, ist eine Tagesarbeit“, so Giggel. Und sie zu schneiden eine Knochenarbeit. „Das ist so anstrengend, dass man nach zwei Stunden einfach keine Kraft in den Händen mehr hat.“ Wo er die Weidenzweige allerdings her hat, will er nicht verraten. Er sagt nur: „Der Drömling ist groß.“ Nach Angaben von Brigitte Giggel müssen die Zweige der Weiden geschnitten werden, sonst wachsen sie nicht nach und es läuft Gefahr, dass es im darauffolgenden Winter keine brauchbaren Weidenzweige gibt. Um einen Korb herzustellen, braucht ihr Mann rund 100 Zweige. Auf die Größe des Korbes kommt es dabei nicht an. Hat Gustav Giggel Zeit, kann er sogar einen Korb an einem Tag fertig machen. „Das ist aber intensive Arbeit“, sagt er. Ist dann der Korb erstmal fertig muss er für einige Zeit an der Luft trocknen, damit er sich festsetzt. Das Trocknen sollte jedoch nicht im warmen Raum erfolgen, sondern in einem kühlen und trocknen Ort.

Das Handwerk des Korbflechters stirbt langsam aus, deshalb versucht der 74-Jährige die Technik des Flechtens an Interessierte weiterzugeben. Um dieses alte Handwerk zu erlernen seien Kraft, Geduld, Fingerfertigkeit und „die Fähigkeit bis drei zählen zu können“ eine grundlegende Voraussetzung, erklärte er lachend. Gustav Giggels Körbe – er fertigt auch Tragekörbe, sogenannte Kiepen, an – waren schon zu DDR-Zeit gefragt und sind es heute noch. Er hat auch wieder einige fertig. Sie müssen nur noch abgeholt werden.

Von Marilena Berlan

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