In Kenzendorf bei Gardelegen attackiert Isegrim Schafe auf einer Weide und ein Mufflon im Wald

„Alle Indizien sprechen für Wölfe“

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Kenzendorf. Vier gerissene Tiere innerhalb von vier Tagen. Spätestens seit dem zurückliegenden Wochenende ist man in Kenzendorf bei Gardelegen überzeugt: Es gibt hier Wölfe. Und ein Sachverständiger vom Biosphärenreservat Mittelelbe teilt diese Einschätzung.

Der erste Fall ereignete sich bereits in der Nacht zu Donnerstag. Auf einer Weide bei der ehemaligen Försterei Kenzendorf wurden drei trächtige Schafe gerissen. Am Morgen fanden die Bewohner des Forsthauses ihre getöteten Tiere mit Kehlbiss und aufgerissener Bauchdecke vor, berichtet Jost Weber, hauptberuflicher Jäger im Revier Kenzendorf. Gleich nach dem grausigen Fund hatte man ihn verständigt. „Zwei lagen auf der Weide, eines in der Milde“, beschreibt er das Szenario. Er zog Bundesförster Horst Schulze hinzu, der wiederum informierte Andreas Berbig, Nutztierrissgutachter bei der Referenzstelle Wolfsschutz im Land Sachsen-Anhalt. Und der kam am Freitag nach der Untersuchung der Kadaver zu dem Schluss: „Alle Indizien sprechen für einen oder mehrere Wölfe.“ Hundertprozentige Sicherheit würde allerdings nur eine kostspielige DNA-Analyse erbringen. Da die Schafe nur gerissen, aber nicht gefressen wurden, vermutet Berbig, dass der oder die Angreifer gestört wurden.

Ausgewachsener Muffelwidder gerissen

Das war in der Nacht zu Sonntag scheinbar nicht der Fall: Im Wald, rund 800 Meter Luftlinie vom Forsthaus entfernt, wurde ein gerissener Muffelwidder gefunden – oder vielmehr das, was von ihm übrig war. Volkmar Effenberger, Jäger aus Letzlingen, hat die Überreste des Wildschafs am Sonntagmorgen entdeckt. Am Vorabend hatte es laut eines anderen Jägers dort noch nicht gelegen. Deshalb ist Jost Weber überzeugt, dass dort mehrere Wölfe am Werk waren: „Ein ausgewachsener Muffelwidder wie dieser hat ein Lebendgewicht von circa 30 Kilo“, sagt er. Zu viel für einen einzelnen Wolf, ist sich Weber sicher, zumal der Kadaver bis auf die Knochen abgenagt wurde. Und dass es sich um das Werk von Wölfen handelt, steht für Weber auch außer Frage: „Das beißt kein Fuchs durch“, sagt er mit Blick auf die Rippen des Tieres, die nur noch zu erahnen sind.

Dass es Wölfe im Revier gibt, stand für Jost Weber aber schon längst fest: „Im Mai wurde einer rund 150 Meter von der zweiten Fundstelle entfernt gesichtet.“ Und Spuren seien im vergangenen Winter auch mehrfach im Schnee gefunden worden. Das gleiche sei ihm auch aus anderen Jagdrevieren berichtet worden. Das Thema hat nun eine neue Dimension: Der Angriff auf Nutztiere am Forsthaus war der erste dieser Art.

Von Karsten Tenbrink

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