„Zuhause ist da, wo Freunde sind“

Agnieszka Olszewska ist erste Integrationslehrerin an Karl-Marx-Sekundarschule

20151015

Gardelegen. „Es ist gut, dass die Kinder einen festen Klassenraum haben, damit sie wissen, wohin sie gehen können“, sagt Agnieszka Olszewska, die neue und erste Integrationslehrerin an der Karl-Marx-Sekundarschule in Gardelegen, während sie die Tür des Klassenzimmers aufschließt.

Erste Lehrerin für Integration

Betritt man den Klassenraum, fallen einem gleich die verschiedenen Plakate an den Zimmerwänden auf. Dort kleben eine Weltkarte, die Deutschlandkarte und verschiedene bunte Poster mit Vokabeln drauf. Es sind alles Wörter aus dem Alltag, die man braucht, um sich in der neuen deutschen Umgebung verständigen zu können. Neben der Tafel ist eine Pinnwand, auf der ganz groß „Willkommen“ steht. Darunter sind bunte Karten, auf denen Nominativ, Akkusativ und weitere grammatische Bausteine abgebildet sind. Und nicht zu vergessen „Das Wort der Woche“. „Diese Woche lautet das Wort „Freizeit“, erklärt die Integrationslehrerin. Die Schüler schreiben es in ihrer Muttersprache auf und tauschen sich in der Gruppe mit ihren neu gelernten deutschen Wörtern darüber aus.

Agnieszka Olszewska ist seit August als Integrationslehrerin an der Sekundarschule tätig. Sie ist 1978 in Polen, in Niederschlesien, geboren. Nach dem Abitur studierte sie Germanistik an der Universität in Breslau und machte 2002 ihren Magisterabschluss. 2006 nahm sie ein Fernstudium an der Hochschule für Philologie in Breslau auf und studierte Englisch und Spanisch. Seit 2000 unterrichtet sie aktiv an Schulen in Polen. Anfangs Deutsch, später dann Deutsch und Englisch. Seit 2004 arbeitete sie zudem als vereidigte Dolmetscherin und Übersetzerin für Polnisch und Deutsch, bis sie 2012 der Liebe wegen nach Deutschland kam.

Erste sprachlichen Fortschritte

Aktuell unterrichtet sie an der Karl-Marx-Sekundarschule sieben Schüler im Alter zwischen elf und 17 Jahren. Davon stammen vier Schüler aus Syrien, ein Junge kommt aus Polen und ein Mädchen ist aus dem Jemen. „Sie ist erst diese Woche auf die Schule gekommen“, so Olszewska. Die Jüngste unter ihnen ist ein elfjähriges Mädchen aus dem Kosovo „und auch die ehrgeizigste von allen“, erzählt die Lehrerin lachend.

Die Schüler sprechen kaum Deutsch, aber die Lehrerin mit polnischen Wurzeln ist jetzt bereits von den Fortschritten ihrer Schützlinge begeistert.

„Man erntet die Früchte seiner Arbeit jeden Tag, denn die meisten Schüler sind sehr motiviert“. Kommunikation sei für Agnieszka Olszewska sehr wichtig, ganz besonders, wenn man eine Sprache neu erlerne. Aber die Orthografie dürfe auch nicht zu kurz kommen, deshalb habe sie vor zwei Wochen mit dem Diktateüben angefangen. „Das Sprechen ist die eine Sache, aber sie brauchen auch die Schriftsprache.“

15 Stunden pro Woche haben die Schüler Deutschunterricht. Die restliche Zeit besuchen sie den regulären Unterricht in ihren Klassen. Auch wenn sie die nächsten zwei Jahre nicht benotet werden, versuchen sie dennoch, dem Unterricht zu folgen, alles mitzuschreiben und bei Unklarheiten ihre Integrationslehrerin zu fragen.

Kontakt zu anderen Schülern ist wichtig

„Ich finde es gut, dass die Schüler nicht isoliert nur hier bei mir sitzen, sondern auch am regulären Unterricht teilnehmen und mit anderen Schülern Kontakt haben.“

Agnieszka Olszewska möchte, dass sich die Kinder in ihrer neuen Umgebung wohl- fühlen. Deshalb versucht sie, sie auf Land und Leute neugierig zu machen. Und sie möchte, dass die jungen Menschen Anschluss finden und neue Freundschaften schließen. „Denn Zuhause ist da, wo Freunde sind“. Wie gut sich die Kinder in ihrer neuen Umgebung integrieren und wie schnell sie einer neuen Sprache mächtig werden, das wird die Zeit zeigen.

Aber ist es dann einmal soweit, wünscht sich Agnieszka Olszewska eine ganz spezielle Sache von ihren Schützlingen: „Dass sie mir später einmal auf Deutsch mitteilen können, wie sie sich in meinem Unterricht gefühlt haben.“

Von Marilena Berlan

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare