Seit gestern auf einem der Fußballplätze des SSV 80 Gardelegen

Afghanische Flüchtlinge kicken: „Kabul United“

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Vereint in der Liebe zum runden Leder: Asylbewerber aus Afghanistan kicken seit gestern auf einem der Trainingsplätze des SSV 80 Gardelegen. Möglicherweise kommen bald Hallenzeiten dazu.

Gardelegen. Abdul tankt sich auf der rechten Seite durch, umdribbelt elegant zwei Gegenspieler, steht frei vor dem Tor – und schlenzt das Leder in die lange Ecke.

Torjubel nicht nur bei ihm, sondern auch bei seinen Mitspielern in den gelben Trikots – und sogar bei einigen der Gegenspielern. Eine Szene, die sich am gestrigen Nachmittag auf einem der Trainingsplätze des SSV 80 Gardelegen an der „Rieselwiese“ abgespielt hat. Und viel aussagt über die Atmosphäre, die bei der gestrigen Premiere eines ganz besonderen Fußballspiels vorherrschte. Denn 21 junge Männer aus Afghanistan bolzten gestern zum ersten Mal auf einem der Trainingsplätze des SSV 80. Sektionsleiter Jens Bombach sowie weitere Übungsleiter schauten dem bunten Treiben zu, jubelten mit und applaudierten bei gelungenen Aktionen.

Und die gab es durchaus. „Da sind einige Talente dabei“, sagt Jens Bombach anerkennend. Die Flüchtlinge leben derzeit alle in der Kreis-Unterkunft an der Philipp-Müller-Straße „und sind froh, mal rauszukommen und sich austoben zu können.“ Und das auf absolut faire Weise: Kein böses Wort auf dem Platz, entschuldigende Gesten bei einem versehentlichen Foul. „Sehr nett und wohlerzogen“ seien alle, freut sich Jens Bombach.

Gespielt wird übrigens in vier Trikotfarben: Blue, Red, Yellow und Rainbow – also in Blau, Rot, Gelb und Regenbogenfarben. Künftig wird einmal pro Woche auf der „Rieselwiese“ gespielt, ohne dass die Flüchtlinge zwingend Vereinsmitglieder sein müssen. Die 18- bis 30-Jährigen des imaginären „Kabul United“ nehmen auch nicht am Punktspielbetrieb teil. Aber sie hoffen auf baldige Hallenstunden, die der SSV 80 ihnen vermitteln will. Die dafür nötigen Hallenschuhe versucht der Vereinsvorstand über ein Förderprogramm des Landes zu erhalten.

Von Stefan Schmidt

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