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86 Jahre nach Zwangsumsiedlung: 24. Salchau-Treffen auf GÜZ-Areal

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Von: Hanna Koerdt

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Menschen schauen sich Bilder an
Bilder des Dorfes und die Namen der 74 Familien schauten sich viele Besucher auf Tafeln an. © Hanna Koerdt

Seit 86 Jahren existiert Salchau nahe Letzlingen nicht mehr. Dort befindet sich nun das Gefechtsübungszentrum (GÜZ). Dort wurde am Sonnabend zum 24. Mal mit vielen Gästen an das frühere Dorf erinnert.

Letzlingen/Salchau – 1996 begann die Tradition, die coronabedingt zwei Jahre ausfallen musste, am vergangenen Sonnabend aber wieder auflebte, und zu der Oberst Michael Knoke, Leiter des Gefechtsübungszentrums (GÜZ) Heer in der Colbitz-Letzlinger Heide, wieder zahlreiche Gäste begrüßen konnte. Einige hatten zu der Veranstaltung einen ganz besonderen Bezug – ihre Familien lebten einst in dem Dorf, welches dort stand, aber 1936 zugunsten eines militärischen Übungsgeländes verschwinden musste: Salchau.

Aktuell seien 86 Jahre vergangen, seit der Aus- und Umsiedlung der 74 Familien des kleinen Heidedorfes in rund „25 Orte der weiteren und näheren Umgebung“, wo die Familien „völlig von Neuem anfangen mussten“, erklärte Dr. Karl-Ulrich Kleemann, der sich mit dem Letzlinger Heimatverein dafür engagiert, dass dieser Teil der Geschichte der Region nicht in Vergessenheit gerät. Wachgehalten würden die Erinnerungen aber letztlich vor allem von denjenigen, die zu den Salchau-Treffen kommen, die nicht nur heimatgeschichtliches Interesse haben, sondern auch eine familiäre Verbundenheit mit dem Flecken Erde haben, welcher „nicht mehr den Bürgern gehört“, erklärte Kleemann. Unter diesem Umstand dankte er den GÜZ-Vertretern, darunter den Organisatoren des diesjährigen Treffens Oberstleutnant Jimmy Klockmann und Oberstleutnant Harald Reinhardt, dass die Treffen auf dem Bundeswehrgelände möglich seien und beispielsweise die Grundmauern der Schule, ein Brunnen sowie der Gedenkstein für die Gefallenen und Vermissten des Ersten Weltkrieges aus Salchau wieder aufgebaut bzw. erhalten werden.

Zugänglich war das frühere Dorf über viele Jahrzehnte nämlich nicht, und auch die Erinnerungskultur war scheinbar nicht gewollt, wusste Horst Weingart: „Zu DDR-Zeiten haben wir uns heimlich getroffen“, mal in Colbitz, mal in Letzlingen, und das Thema der Treffen der ehemaligen Salchauer auch „anders tituliert“, berichtete Weingart der AZ. Er ist der einzige noch lebende Salchauer, auch wenn er in dem Dorf nur kurz aufwuchs. Zehn Monate als Säugling, bevor er zur Verwandtschaft nach Gardelegen kam. Geboren wurde Horst Weingart am 8. Juli 1934 im umliegenden Wald. Seine Familie, zu der acht Kinder gehörten, lebte in Salchau. „Mein Vater war der letzte, der gehen musste“, erzählte Horst Weingart. Auch getauft wurde er in Salchau, am Grab seiner Mutter, die schon bei seiner Geburt sehr krank war. Vor drei Jahren, beim letzten Salchau-Treffen, war noch eine echte Salchauerin dabei, die etwas jünger war als Horst Weingart. Er hat an jedem der bisher 24 Salchau-Treffen teilgenommen.

„Ihnen wurde damals die Heimat genommen“, erklärte Letzlingens Ortsbürgermeister Thomas Genz, die dörfliche „Gemeinschaft auseinandergerissen“. Er sei froh, dass die Treffen auch noch jetzt, Generationen später, solchen Anklang finden. „Vor Jahren konnten wir noch einige Töchter und Söhne begrüßen, die hier geboren wurden“, meinte auch Karl-Ulrich Kleemann. Inzwischen seien es die Urenkel, an die die Enkel der Bewohner die Familiengeschichten weitertragen.

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